Mangel an Fantasie kann Oliver Gerschitz sicher nicht vorgeworfen werden, bei der Seriosität sieht's hingegen diametral entgegengesetzt aus. Was er da in sein Buch hingepackt hat, wäre selbst für einen Sci-Fi-Roman zu viel des Bösen. Gerschitz bedient sich hemmungslos aller Versatzstücke des Mysteriösen wie Okkulten und mixt daraus seine ureigenste Verschwörungstheorie der Verschwörungstheorien.
Alles hat Platz: Albert Einstein, Nikola Tesla, John von Neumann, Aleister Crowley, L. Ron Hubbard, die Vril-Gesellschaft und andere Nazi-Gruppierungen, der Graf von Saint-Germain, die Bibel, das unterirdische Reich Shambala, Aliens aller Statur und Größe (Reptiloide, kleine Graue, große Blonde), das "Cydonia-Gesicht" auf dem Mars, die Venus, UFOs, Zeitreisen, Parallelwelten, Hyperraum, Gedankenkontrolle und natürlich die Illuminati. Dieses wirre Amalgam liest sich durchaus kurzweilig, wenn auch heillos überfrachtet. "Krieg der Sterne", "Akte X", "Stargate", von überall sind Motive da.
Gerschitz geht davon aus, dass im Universum das "Gesetz des freien Willens" gilt, dem sich alle Mächte zu fügen haben. Deshalb nehmen die bösen Aliens die Erde nicht mit Gewalt ein, sondern bedienen sich finsterer Verbündeter ("Geheime Weltregierung", sprich Illuminati), die für Chaos sorgen und dann in perfider Doppelstrategie die Außerirdischen als Retter in der Not auf diesen Planeten "einladen". Diese bad guys aus dem All heißen Markabianer aus dem Sternbild Pegasus und sehen uns zum Verwechseln ähnlich. Ihr Heimatsystem ist Teil der "Imperialen Allianz", die von den noch mehr Übel wollenden Drakoniern (vom Orion) dominiert wird. Ihnen gegenüber steht der uns freundliche "Andromedanische Rat", welcher wiederum die "Galaktische Konföderation" bestimmt.
Auf der Erde kollaboriert der gefallene Andromedaner Asasel (das Alte Testament lässt grüßen) von seiner Himalajafestung aus mit den Markabianern, während der Überläufer Xenu (Scientology-Jünger, aufgepasst!) auf galaktischer Ebene für Konspirationen sorgt. Woher Gerschitz das alles weiß, verliert sich im Äther.
Aber es kommt noch dicker: Durch das Philadelphia-Experiment von 1943, bei dem die US Navy im Marinehafen von Philadelphia das Kriegsschiff U.S.S. Eldridge unsichtbar machen wollte, wurde ein Riss in die Raum-Zeit geschlagen, durch den feindliche Aliens zur Erde gelangen konnten. Die ersten bösen Markabianer kamen freilich schon 1923, als die Nazis eine UFO-ähnliche "Jenseitsflugmaschine" bauten. Und 1983 war der bislang letzte Akt der Perfidie, als die USA beim "Montauk-Experiment" mit Zeitreisen begannen. Seit dem 12. August 2003 ist aber Schluss, da haben die good guys die bad guys von der Erde verbannt.
Oliver Gerschitz "belegt" seine kruden Verschwörungskonstrukte durch Aussagen seiner ebenso dubiosen Gesinnungsgenossen wie Al Bielek oder Jan van Helsing. Und wie Letzterer bedient sich auch Gerschitz eines unterschwelligen Antisemtismus, indem er die Hebräer (ohne sie zu nennen) als Jahrtausende lang agierende Kollaborateure der Markabianer darstellt, die alles infiltrieren, um zur Weltherrschaft zu gelangen. Zudem seien die USA und Israel "Illuminaten-Staaten".
Bei einigen Passagen sorgt Gerschitz durchaus für ungewollte Erheiterung: so soll ein Amerikaner von der Basis Montauk aus auf Zeitreise geschickt worden sein, um Jesus Christus "Blut abzunehmen" und ihn dann zu erschießen. Freilich prallten die Kugeln von einer Art Kraftfeld um den Messias ab. Außerdem führten US-Soldaten vor 5.000 Jahren in Ägypten Krieg, und unter der "Mars-Pyramide" musste "rückwirkend" eine "Sonnensystem-Abwehranlage" deaktiviert werden. Außerdem ist sich Gerschitz sicher, dass die Venus vor 5.000 Jahren noch nicht in unserem System zu sehen war, da sie künstlich geschaffen wurde. Was für ein Humbug! "Faszinierend", würde wohl Mr Spock sagen ...
Nach Gerschitz' Lektüre bastle ich schon an meiner eigenen Verschwörungstheorie: hört und nimmt Dan Brown vielleicht "Lucy in the Sky with Diamonds"? Schreibt er seine Drogenerfahrungen gar unter einem deutschen Pseudonym nieder? Oder gehe ich gerade einem besonders heimtückischen "Mind Control"-Programm in die Falle? ;-)
Fest steht: Wer wirklich etwas über "Das Philadelphia-Experiment" erfahren will, ist beim gleichnamigen Klassiker von Charles Berlitz weit besser aufgehoben. Der spekulierte zwar auch, aber lang nicht so hemmungslos.