Desmond Tutu wurde im Jahr 1931 in Klerksdorp, Transvaal, geboren. Nach einer Ausbildung zum Lehrer und drei Jahren in diesem Beruf, begann er ein Theologiestudium. 1960 wurde er zum Priester geweiht. Seine Ausbildung setzte er in England fort. 1976 wurde Desmond Tutu als erster Farbiger Dekan der St. Mary's Kathedrale in Johannesburg, 1976 Bischof von Lesotho und 1978 der erste farbige Generalsekretär des South African Council of Churches. 1984 die Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis. Ein Jahr später folgte erst die Ernennung zum Bischof von Johannesburg und danach zum Erzbischof von Kapstadt.
Als nach den ersten demokratischen Wahlen im Jahre 1994 die Wahrheits- und Versöhnungskommission gegründet wurde, übernahm Desmond Tutu den Vorsitz. Man wollte den Tätern des Apartheidregimes die Möglichkeit geben, Zeugnis abzulegen von ihren Taten. Im Gegenzug wurde ihnen eine Amnestie zugestanden.
In diesem Buch hat Angela Krumpen Texte aus verschiedenen Büchern von Desmond Tutu ausgewählt und nach Themen sortiert:
Leiden - Gott gibt niemanden auf
Kämpfen - Das Unrecht wird ein Ende haben
Sehnen - Eine gerechte Welt für alle
Versöhnen - Nur die Wahrheit heilt wirklich
Lieben - Gottes Traum für uns Menschen
Ubuntu - Niemand kann für sich alleine Mensch sein
Geliebt werden - Ohne Gott ist alles schal
Bei jedem Text ist die Quelle angegeben. Die meisten Auszüge stammen aus
Gott hat einen Traum: Neue Hoffnung für unsere Zeit und
Keine Zukunft ohne Versöhnung. Es sind aber auch Stellen aus
Meine afrikanischen Gebete,
Gott segne Afrika, der Rede zum Friedensnobelpreis, verschiedenen Interviews und dem Buch
Für alle Kinder: Die Rechte des Kindes in Wort und Bild enthalten. Die meisten Auszüge sind maximal eine Seite lang.
Beispiel aus dem Bereich VERSÖHNUNG: Vergebung braucht Verantwortung (S. 84)
Um Vergebung zu bitten erfordert, dass wir die Verantwortung für unseren Anteil am Bruch in der Beziehung übernehmen. Wir finden immer Ausflüchte für uns und eine Rechtfertigung für unser Handeln, und seien sie noch so konstruiert, aber zugleich wissen wir, dass sie uns gefangen halten in unserem Verlies der Schuld und der Schande. (Quelle: Traum)
Des Weiteren erfährt der Leser was wahre Versöhnung ist, dass falsche Versöhnung keine Heilung bringt oder wie aus Schwarzen und Weißen neue Menschen wurden. Die Vergangenheit verschwindet nicht und wir müssen weiter miteinander leben. Eines freilich sind diese Texte nicht: eine kritische Auseinandersetzung mit den Abläufen der Wahrheitskommission. Dass nicht alle Opfer mit der Amnestie der Täter einverstanden waren, dass es auch Angehörige gab, die sich dagegen wehrten, erfährt der Leser nicht.
Einer der wenigen Texte, die über zwei volle Seiten gehen, handelt von der moralischen Macht. Hier geht es darum, dass Führen eine Sache des Dienens ist. Dass der Preis für eine Fressen-oder-gefressen-Werden-Mentalität sehr hoch ist. Die wahre Aufgabe sei es, das Gute in anderen zu sehen, es aus ihnen hervorzuholen.
Auch über die Kosten des Wohlstandes denkt der Friedensnobelpreisträger nach. Ebenso über subversive Spiritualität und die Tatsache, dass Widerstand zutiefst religiös ist.
Es ist ein breites Spektrum, das den Leser erwartet. Diese Sammlung gibt einen Überblick über die Erfahrungen von Desmond Tutu und seine Gedankenwelt. Sie regt zum Nachdenken an. Sie macht neugierig und ist wohl vor allem für die Leser interessant, die sich bislang noch nicht mit dem Erzbischof und Friedensnobelpreisträger beschäftigt haben.
Eine empfehlenswerte Lektüre.