Das Leben der Fernsehjournalistin Kari Wynne scheint perfekt: Eine glückliche und harmonische Ehe mit einem um einige Jahre älteren Mann und dazu noch eine erfolgreiche Karriere.
Doch dieses vermeintliche Glück zerplatzt wie eine Seifenblase, als ihr Mann tödlich verunglückt und die Staatsanwaltschaft vor Karis Tür steht und ihren verstorbenen Mann dunkler Machenschaften bezichtigt.
Für die junge Witwe mehr als eine Herkules Aufgabe, denn nicht nur Trauer um den Verlust ihres Mannes macht ihr zu schaffen, nein, auch der Staatsanwalt persönlich löst höchst widersprüchliche Gefühle in ihr aus...
Und ein weiterer Schicksalsschlag versetzt die beiden in eine schier ausweglose Situation...
Gleich mal vorweg: Diese Story ist nicht ganz so brandneu, wie vielleicht von der ein oder anderen Leserin erhofft und auch gewünscht, denn das Ganze gab es schon mal als Tiffany Duo Band 17 im Cora Verlag unter dem Titel: Der Mann, der mich betört.
Zudem wurde der Roman auch noch unter Sandra Browns Pseudonym Erin St. Claire veröffentlicht und kommt mit seinem stolzen Alter von vierzehn Jahren vielleicht nicht mehr ganz so taufrisch daher und zeigt sich auch schon mit etwas Patina versehen.
Nichtsdestotrotz hat Blanvalet diesen Schmöker entstaubt, kräftig aufpoliert und ihm einen flotten neuen "Look" verpasst.
Inhaltlich hat man da beispielsweise auch etwas an der Namensschraube gedreht und aus der ursprünglichen Hauptprotagonistin namens Ina wurde hier eine Kari und der Staatsanwalt Philip wird zu Hunter. Beide Namen wurden somit aus dem Original "Sweet Anger" übernommen und hier bei der Neuauflage wieder eingesetzt.
Interessanterweise präsentiert uns Sandra Brown hier aber nicht das so klassische und stereotype Liebespaar der Achtziger Jahre, bei dem vor allem der männliche Part vorzugsweise mit dominantem und vorsintflutlichem Gehabe durch die Story fegt und dabei reichlich Macho-Allüren an den Tag legt.
Ganz im Gegenteil, zeigt sich unser Romanheld hier doch meiner Meinung nach von seiner Schokoladenseite und verkörpert zwar einen sehr willensstarken und energischen Kerl, der hier aber durchaus Feingefühl und Einfühlungsvermögen an den Tag legt
Da hat die Autorin diesem Prachtkerl von Mann wirklich einen tollen Charaktermix aus beruflichem Ehrgeiz und professionellem Pflichtgefühl auf der einen Seite und andererseits eine Engelsgeduld mit wahnsinnig viel Einfühlungsvermögen auf den Leib geschrieben.
Da legt der Gute oft die Geduld eines Heiligen an Tag, um es Kari immer Recht zu machen.
Karis Darstellung hat bei mir doch auch etwas Zwiespältigkeit hinterlassen, denn die Gute glänzt hier nicht unbedingt mit sehr viel Liebenswürdigkeit, besticht sie doch zunächst durch Trotz und Uneinsichtigkeit und man tut sich da als Leser schon etwas schwer, sie trotz der erlittenen Schicksalsschläge sofort zu mögen.
Zudem zeigt sich die Autorin hier wieder als Meisterin der subtilen, aber durchaus schon leicht lasziven Liebesszenen, die für "damalige" Zeiten ja schon nicht von schlechten Eltern sind und durchaus eine Klasse für sich darstellen.
Heiß, Heißer, Sandra Brown....
Sandra Brown beschert uns hier mit "Verruchte Begierde" eins ihrer Frühwerke, das womöglich nicht zur Crème de la Crème ihrer Romane gezählt werden kann, aber nichtsdestotrotz so einen gewissen rustikalen und herben Charme versprüht, der sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft, für Fans der ersten Stunde doch schon Pflichtlektüre darstellt und durchaus nette und gefällige Schmökerei bietet.