Aus der Amazon.de-Redaktion
Verraten und verkauft von der US-Regierung, die sie mit fadenscheinigen Gründen in den Krieg gegen den Irak geschickt hat, fühlen sich die Autoren der "Briefe von der Front", wie die neuerliche Moore'sche Wahlkampfschrift gegen Bush im Untertitel heißt. Die veröffentlichte Auswahl von E-Mails, die er von im Irak stationierten Soldaten erhalten hat, soll dem amerikanischen Volk zeigen, dass diese Regierung bei denen, die für das Land immerhin ihr Leben riskieren (und die also alles andere als Vaterlandsverräter sein können), großteils jeden Rückhalt verloren hat.
In jedem neuen Buch, dass Michael Moore in den letzten Jahren vorgelegt hat, ist der Aufruf des Autors lauter geworden, George W. Bush wenn nicht aus dem Amt zu jagen, so doch um des Himmels und des Landes Willen zumindest keine zweite Amtszeit zu gewähren. Die angeführten Gründe dafür waren, so richtig sie sein mögen, im Prinzip immer dieselben. Doch wie man zu den bisherigen Arbeiten des Autors auch stehen mag: Dieses Buch hier ist mehr als bloß eine weitere Wahlkampfbroschüre. Es dokumentiert die Seelenlage skrupellos verheizter Soldaten. Und aus diesem Grund allein bleibt Verraten und verkauft auch nach der Präsidentschaftswahl 2004 lesenswert! -- Hasso Greb
Kurzbeschreibung
Wir sind verraten und verkauft worden; müssen einen Krieg führen, der ebenso sinnlos ist gefährlich für uns und die Welt: Hier spricht dasjenige Amerika, das George W. Bush und seine Hintermänner unterdrücken wollen.
Über den Autor
Auszug aus Verraten und verkauft von Michael Moore. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
DATUM: Dienstag, 6. Juli 2004,18.07 Uhr
AN: mike@michaelmoore.com
BETREFF: Ich bin Soldat
Mr. Moore,
mein Name ist Craig Smith und ich bin im Augenblick reaktivierter Reservist. Als im März 2003 die Invasion begann, habe ich mich freiwillig zum Dienst im Irak gemeldet.
Nach zehn Monaten im Irak kam ich zurück nach Amerika und hoffte, mein normales Leben wiederaufnehmen zu können. Zu diesem Zeitpunkt fingen meine Alpträume an. Ich war ständig nervös. Man könnte es auch "kribbelig und reizbar" nennen. Eine Zeit lang versuchte ich, allein damit fertigzuwerden; dann wurde mir klar, daß ich Hilfe brauchte. Ich ging ins Fort Carson Hospital, um mich dort wegen dieses posttraumatischen Streßsyndroms (PTSS) behandeln zu lassen. Zuerst mußte ich einen Feststellungstest machen. Meine Unterlagen gingen im Hospital verloren. Dann ging ich zu einem weiteren Feststellungstest. Diesmal untersuchte mich eine Ärztin. Danach teilte sie mir mit, ja, ich hätte PTSS. Als ich später meinen Untersuchungsbericht sah, stand darin, ich hätte kein PTSS, aber das würde nicht notwendigerweise bedeuten, daß ich nicht darunter leiden würde. Es stand auch drin, die Behandlung sei vorbei, und sie sei erfolgreich gewesen. Es stand auch drin, daß ich Alpträume über tote Kinder hätte. Es stand noch ein Haufen anderes Zeug drin.
Frustriert und unbehandelt bemühte ich mich weiterhin um Hilfe. Fort Carson gab mir eine Telefonnummer - eine Hotline. Man gab mir eine verdammte Hotlinenummer, damit die mir dort gegen meine Kriegsalpträume helfen, Mr. Moore! Dann erzählte man mir, daß Fort Carson nicht genug Personal habe und daß sie NUR ZWEI ÄRZTE FÜR DIE PTSS-BEHANDLUNG HÄTTEN. Stellen Sie sich das mal vor, Michael -TAUSENDE von SOLDATEN kommen aus dem KAMPF zurück, und dann gibt es nur zwei Ärzte, die ihnen bei der Rückkehr ins normale Leben helfen! Wie werden hier eigentlich die behandelt, die so viel gegeben haben und nur möchten, daß unsere Führer gute Entscheidungen treffen?
Ziemlich angefressen schrieb ich dann meinem Senator. Er hat mir geantwortet und bietet mir Hilfe an, Wayne Allard heißt er, um genau zu sein. Ich bin ihm für seine prompte Antwort dankbar. Ich fuhr dann auch nach Colorado Springs ins Veteranenzentrum, um auch bei denen Hilfe zu suchen. Sie boten mir Hilfe an. Jeder will helfen, Mr. Moore, außer unseren eigenen Leuten.
Warum ist die Weiterverpflichtungsrate so niedrig? Warum will keiner beim Militär bleiben? Warum haben wir genug vom Militärdienst? Nicht wegen des Krieges, lieber Freund, sondern weil wir wie unwichtige Kinder behandelt werden. Und eines sag ich Ihnen, keine verdammte Parade den Broadway runter kann an dieser Tatsache was ändern.