Was muß einem passieren, damit man innerhalb von 32 Tagen sein Leben ändert? Grisham läßt seinen Helden Michael Brock durch "Mister" spüren, wie vergänglich und trügerisch alles sein kann und sich die Frage stellen ob sein Leben wirklich das ist, was er erreichen wollte. Was ist aus seiner Ehe geworden? Erfüllt ihn seine Arbeit in einer renomierten Kanzelei? Ist es das, was er sich zu Beginn seines Jurastudiums vorgestellt hat?
Der Verrat ist die Geschichte von jemandem, der langsam die Augen öffnet und erkennt, daß er schon lange von seinem Weg abgekommen ist. Der nun getrieben von Schuldgefühlen Karriere, Wohlstand und eine Ehe, die schon lange nicht mehr stattfindet, hinter sich läßt, um geläutert von seinen Erlebnissen in den Notunterkünften Washingtons sich dem Recht der Armen zu widmen.
Naja...
Das Buch läßt sich recht flott lesen und ist von Grisham in gewohntem Stile 'runtergeschrieben' worden. Um Atmosphäre zu erzeugen schildert er bildhaft genau und recht geschickt die jeweiligen Locations, deren Gegensätzlichkeit auch die innere Veränderung des Michael Brock vom Karriere getriebenen Yuppie zum 'Retter der Armen' deutlich unterstreichen.
Leider plätschert diese Geschichte eine ganze Zeit lang vor sich hin und kommt erst in den letzten hundert Seiten wieder in Schwung. Es erwartet einen auch nichts wirklich überraschendes am Schluß und so endet die Geschichte wie man es nach den ersten hundert Seiten schon ahnt...
Trotzdem ist das Buch ein netter Zeitvertreib für den Abend und nimmt einen dank seiner genauen Beschreibungen raus aus dem Alltag und mit in die Obdachlosenunterkünfte, Gerichtssäale und Kanzeleien Washingtons, wobei man sich selbst auch das eine oder andere mal bei der Frage ertappt, was man denn selber für die Armen in unserer Gesellschaft getan hat.