"Haben wir uns doch angefreundet, nicht, du Schlappohr!" Dieser unverblümte Ausspruch stammt aus dem Mund von Paula Kleine und ist gerichtet an ihren Schauspielerkollegen Dominique Horwitz, einen der besten Filmschaupieler Deutschlands.
Die Leute im Premierenkinosaal toben. Neben Wolfgang Göttsch und Frank Grabski spielt Paula Kleine die Hauptrolle im Film "Verrückt nach Paris", einem jungen deutschen Film, der bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. Wolfgang, Frank und Paula sind Menschen mit einer sogenannten Behinderung, aber in diesem Falle spielen sie nicht eine Nebenrolle am Rande unserer separierenden Gesellschaft, sondern sie spielen die Hauptrollen eines Kinofilms. Und dies tun sie derart authentisch und erfrischend, dass sie ihre namhaften Schaupielerkollegen wie Horwitz, Harfouch und Lüttge fast schon blass erscheinen lassen. Zu diesem Film gibt es nun im Großformat das Buch - eine Handbreit neben der Filmspur. Dammit dieses Buch gefällt muss man nicht den Film gesehen haben.
Aus verschiedenen Perspektiven -die Regisseure kommen dabei ebenso zu Wort wie auch die Hauptdarsteller- wird auf anregende Art und Weise der Weg von der Idee zum fertigen Produkt beschrieben, mit seinen Hoch- aber auch Tiefpunkten. Der Leser erfährt mehr über die Eigen- und Besonderheiten dieses engagierten Projektes und auch über die der Darsteller. So ist beispielsweise Dominique Horwitz sichtlich irritiert, als er erfährt, dass seine Teilnahme am Projekt nicht vom Wohlwollen der Regisseure abhängt, sondern davon, ob Wolfgang, Frank und Paula mit ihm zusammen spielen wollen. Zugegeben: alles tatsächlich manchmal auch ein wenig neben der gewohnten Spur, aber vielleicht gerade deshalb so unterhaltsam und lesenswert. Den gleichwertigen Rahmen für die abgedruckten Texte bilden die faszinierend ungezwungenen, bisweilen schonungslos ungeschminkten Fotografien von Olaf Schlote, deren Motiv aber immer die Menschen sind und nicht ihre sogenannte Behinderung.
Eindeutig eine Empfehlung.