80 süße Verführungen präsentiert Alice Hart in ihrem Kochbuch "Verrückt nach Ingwer", dessen Bebilderung allein dem Betrachter das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Wer gedacht hat, dass sich Ingwer aufgrund seines zuweilen doch etwas pikanten, leicht scharfen Geschmacks nicht für Süßspeisen eignet, wird schnell eines Besseren belehrt: Die hochwertigen Fotos machen Lust aufs Backen und Zubereiten; man kann sich kaum losreißen von den gekonnt in Szene gesetzten Ergebnissen der vielfältigen Varianten, in denen Ingwer wirkungsvoll als besonderer geschmacklicher Akzent zum Einsatz kommen kann.
Die ursprünglich aus Tokio stammende Fotografin Yuki Sugiura hat hier ganze Arbeit geleistet und spiegelt, dass Kochen eine einmalige Verbindung aus Können und Kunst darstellt.
Nach einer interessanten Einführung zu Herkunft, Bedeutung und der möglichen Verwendung von Ingwer lernt man dieses exotische Gewürz zunächst in all seinen Formen kennen und wird mit den wichtigsten Techniken, Tipps und Grundrezepten vertraut gemacht. Alles wird anschaulich bebildert. Die Texte sind gut zu lesen, konzentrieren sich auf die wesentlichen Aspekte und begeistern durch kleine, persönliche Bemerkungen. So erhält man mal einen Einblick in Erfahrungen der Autorin, mal Aufschluss über die Herkunft der ein oder anderen kulinarischen Köstlichkeit.
Der Hinweis "Meine Großmutter hatte sich dieses Rezept auf die Rückseite einer Postkarte notiert [...]. Dieses Rezept ist eines ihrer besten" war es, der mich die Entdeckungsreise Ingwer mit "Ingwer-Sablés" beginnen ließ. Und Alice Hart verspricht nicht zu viel: Geschmacklich wunderbar, vollmundig und zart begeistern sie die gesamte Familie! Je länger sie liegen, desto mürber und lockerer werden sie, so dass man durchaus auch große Mengen herstellen und in Keksdosen lagern kann. Einfach Köstlich!
Ebenso durchdacht wie Vorstellung der Speisen ist die Gestaltung: Hintergrundinformationen und Rezepte werden anschaulich auf der linken Seite in zwei Spalten präsentiert. Die rechte Seite bleibt den hochwertigen, wunderbaren Fotos von Yuki Sugiura vorbehalten. Jedes Kapitel wird zudem mit einer Foto-Doppelseite eingeleitet. Die Präsentation und das Arrangement der kleinen und großen Köstlichkeiten, die hier wirklich im Vordergrund stehen, begeistern und überraschen immer wieder aufs Neue.
Neben einer persönlichen, kleinen Einführung über jedem Rezept findet sich zunächst die Zutatenliste; die Zubereitung wird Schritt für Schritt, leicht verständlich und ohne unnötigen Textballast erklärt. Am Ende finden sich Hinweise zu Stückzahl, Fertigungs- und Backzeit, so dass man alles hervorragend planen und die herzustellende Menge individuell anpassen kann. Akzente werden durch Fettdruck sowie unterschiedliche Schriftarten und -größen gesetzt. Dabei wirkt das Layout durchgängig angenehm und ist niemals überfrachtet.
Erfreulich ist, dass man an Zutaten, die abgesehen von Ingwer, benötigt werden, ohnehin so ziemlich alles zu Hause hat. Auch wenn von einfach bis raffiniert alles dabei ist: Die zusammengestellten Rezepte sind auch für in der Küche Unerfahrene leicht zugänglich und problemlos zuzubereiten - und die Ergebnisse können sich durchweg sehen und schmecken lassen. Gekauften Spezialitäten stehen sie in Optik und Qualität in nichts nach: Mit wenigen Handgriffen verwandelt man sich beim Backen von Ingwer-Florentinern mit Pekannüssen in einen Meister-Pâtissier, überrascht Gäste beim Grillfest mit einem erfrischenden traditionellen Ingwerbier oder bringt zur Abwechslung als Gastgeschenk mal keine gekauften Pralinen mit sondern selbst hergestellte Zartbittertrüffel mit Ingwer, Ingwer-Karamell, Konfitüre oder Marmelade. Geschenke und kleine Überraschungen, die garantiert gut ankommen!
An Köstlichkeiten ist in diesem Buch wirklich alles dabei, was das Herz begehrt: "Kuchen, Torten & Co"; "Tartes, Kekse und Brownies", "Cremes, Gelees und Eis", "Konfitüren, süße Leckereien und Schokolade", ja, sogar "Getränke" werden in eigenen Kapiteln präsentiert. Ist man erst einmal auf den Geschmack gekommen, mag man sich weder vom Ingwer noch von diesem wunderbaren Buch trennen: Man will einfach alles ausprobieren, jede Speise und jedes Getränk zumindest einmal herstellen.
Sinnvoll und hilfreich ist das Rezeptverzeichnis am Ende, das die Speisen und Getränke in Kategorien einordnet, was das schnelle Auf- und Wiederfinden bestimmter Spezialitäten erleichtert. Alles in allem ein Buch, das auf ganzer Linie verführt!