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Verrückt nach Kafka. Erinnerungen an Greenwich Village
 
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Verrückt nach Kafka. Erinnerungen an Greenwich Village [Gebundene Ausgabe]

Anatole Broyard
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 27.03.2001
Katharina Born hat das Glück, für die Besprechung der Autobiografie von Anatole Broyard auch die Erzählungen seiner Tochter Bliss hinzuziehen zu können, die im Deutschen zur gleichen Zeit und im gleichen Verlag erscheinen.
Anatole Broyard: "Verrückt nach Kafka"
Der Titel zeigt es schon an: Broyard war ein Büchernarr, der am liebsten in Greenwich Village eine Buchhandlung betrieben hätte, diese stattdessen aber bald wieder zugemacht hat und Literaturkritiker der "New York Times" wurde. Von Eitelkeit und Selbststilisierung nicht frei, merkt Born über seine unvollendeten "Erinnerungen an Greenwich Village" an, in denen er den Nachkriegsjahren mit ihrer "übersteigerten Intellektualität" und der "ersten sexuellen Befreiung" ein Denkmal gesetzt hat. Der Autor starb 1990, informiert uns Born und meint, er hätte zur Gender-Debatte einiges zu sagen, ohne dieses Diktum näher zu erläutern. Seine Porträts der Größen jener Zeit seien recht bösartig geraten, erzählt sie weiter, Broyard habe eine besondere intellektuelle Lässigkeit propagiert, die er im Tanz symbolisiert sah: wer sich dem Rhythmus allzu sklavisch unterordnete, der war zur Abstraktion wohl kaum in der Lage.
Bliss Broyard: "Mein Vater, tanzend"
Das Motiv des Tanzes taucht bei der Tochter wieder auf, die, im übrigen wie ihr Vater, meint die Rezensentin, stetig um Anerkennung ringt: die ihres Vaters, ebenso in der Schule und in Beziehungen. Acht Erzählungen hat sie geschrieben, in denen sie laut Born dem Verhältnis von Töchtern zu ihren berühmten Vätern nachspürt. Welche das außer ihr noch sind, erfahren die Leser leider nicht. Bliss Broyard jedenfalls, meint Born, hat Tanzen gelernt und ihren berühmten Vater stehen lassen, der als Literatur anderes als "Miniaturen des Gewöhnlichen" geschätzt hätte, wie sie die Tochter nun schreibt. Aber das sei schließlich auch eine andere Zeit gewesen, in der "selbst ein schwerfälliger Typ wie Hemingway tanzen konnte", schließt Born und zitiert noch einmal den Vater.

© Perlentaucher Medien GmbH

Alfred Kazin

"Eine komische, liebenswerte, nachdenkliche und dichte Erinnerung an Lieben und Leben in Greenwich Village nach dem Krieg, als Bücher noch so heilig waren wie Sex und das Village noch das Village war. Das ist Anatole, wie er leibt und lebt." Alfred Kazin

Kurzbeschreibung

Anatole Broyard war als Herausgeber und Kritiker der New York Times über Jahrzehnte ein Mittelpunkt der amerikanischen Literatur. Als er dem Wunsch, seine Autobiografie zu schreiben, nachkam, begab er sich weit zurück und schrieb ein Porträt eines kurzen Zeitabschnitts, der Periode kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Greenwich Village: "Die Nachkriegstage waren wie ein großes Lächeln in der düsteren Geschichte der Stadt." Hier schien ihm der Ausgangspunkt seines Lebens und die Quelle des modernen Amerikas, in dieser Zeit schien alles Vorherige und alles Weitere in einem Neuanfang zu verschmelzen.
Broyard machte seine ersten prägenden Erfahrungen, als er mit der jungen Malerin Sheri Donatti, die ein Protege von Anais Nin war, zusammenzog. "Sheri verkörperte all die neuen Trends in Kunst, Sex und Psychose." Broyard erzählt die Geschichte seiner ersten Liebe zu dieser komplizierten und herausfordernden Frau. Es war die Zeit, in der sich im Village junge, noch unbekannte Autoren wie Dylan Thomas, Delmore Swartz und William Gaddis trafen, um die Literatur und ihre Sexualität neu zu erfinden.
Broyard eröffnete eine Buchhandlung im Village, denn: "Mir ist klar, dass die Menschen immer noch Bücher lesen und dass manche Leute sie tatsächlich lieben, aber was wir 1946 im Village für Bücher empfanden - ich spreche jetzt von mir und meinen Freunden -, ging über Liebe hinaus. Es war, als hätten wir nicht gewusst, wo Bücher anfangen und wo sie enden. Bücher waren unser Wetter, unsere Umwelt, unsere Kleidung, sie stabilisierten uns; es war, als trügen wir eine schwere Tasche voll in jeder Hand und sie hielten uns im Gleichgewicht. Sie verliehen uns Schwerkraft. Wären die Bücher nicht gewesen, wir wären dem Sex völlig ausgeliefert gewesen."
Broyard beschreibt eine Zeit, in der alles möglich war und alles anfing, mit einer luziden Beobachtungsgabe und stilistischen Klarheit, die einen Satz für Satz erregt und erhellt. Sein scharfer Verstand lässt uns in einem kurzen Zeitpunkt den Aufbruch in eine neue Sicht auf die Dinge und den eigenen Körper miterleben.

Über den Autor

Anatole Broyard war achtzehn Jahre lang Literaturkritiker, Kolumnist und Herausgeber der New York Times. Er starb 1990 in Cambridge, Massachusetts.

Auszug aus Verrückt nach Kafka. Erinnerungen an Greenwich Village. von Anatole Broyard. Copyright © 2001. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"Mir ist klar, dass die Menschen immer noch Bücher lesen und dass manche Leute sie tatsächlich lieben, aber was wir 1946 im Village für Bücher empfanden - ich spreche jetzt von mir und meinen Freunden -, ging über Liebe hinaus. Es war, als hätten wir nicht gewusst, wo Bücher anfangen und wo sie enden. Bücher waren unser Wetter, unsere Umwelt, unsere Kleidung, sie stabilisierten uns; es war, als trügen wir eine schwere Tasche voll in jeder Hand und sie hielten uns im Gleichgewicht. Sie verliehen uns Schwerkraft. Wären die Bücher nicht gewesen, wir wären dem Sex völlig ausgeliefert gewesen."
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