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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
start spreading the news....,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Verrückt nach Kafka. Erinnerungen an Greenwich Village (Gebundene Ausgabe)
Der Verfasser dieser autobiographischen Geschichte war ein in den U.S.A sehr bekannter Literaturkritiker der N.Y.Times, der über sein Leben in Greenwich Village der 40er Jahre erzählt.Als "Kriegsveteran" aus Japan zurückgekehrt verwendet er seine Ersparnisse dazu, einen Buchladen zu eröffnen,verläßt Brooklyn und seine Eltern, um in einer Beziehung mit einer extravagantem Malerin zu leben. Darum drehen sich auch die meisten der weniger als 200 Seiten dieses Buches. Schade, dass der Autor nicht mehr preisgibt. Er kannte Anais Nin, begleitete Delmore Schwarz auf unzähligen Wegen, war auf Parties mit Dylan Thomas und schreibt fast ausschliesslich über die Beziehung zu einer Frau, die sein gesamtes damaliges Leben auszufüllen schien (das einzige, das mich an diesem lesenswertem Buch störte war, dass der Name seiner Freundin so oft vorkam,dass ich ihn ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr sehen konnte). Er war beim Schreiben sichtlich bemüht, sich in aller Bescheidenheit hinter die namhaften Persönlichkeiten jener Zeit zu stellen, schrieb aus der Sicht eines alten Mannes, der seine Jugend in knappen, starken Bildern wie in einem Film für sich und andere noch einmal vorüberziehen lassen möchte, kein Wort ist zuviel. Er berichtet über Eindrücke von Vorlesungen an der Uni, seine ersten Erfahrungen mit der Psychoanalyse und das auf eine Art, die gut nachvollziehbar ist und es zu einem Vergnügen macht, ihm zu folgen. Er beherrschte die Kunst der plastischen Darstellung von Charakteren und gibt der Phantasie und den Gefühlen des Lesers genügend Spielraum, sich in seine Geschichte einfühlen zu können. Es gibt seitenstarke Bücher, aus denen man oft getrost die Hälfte streichen könnte, die dadurch vielleicht interessanter und lesbarer wären, hier ist vielleicht das Gegenteil der Fall. Man bedauert, dass es nie eine Fortsetzung oder ausführlichere literarische Darstellung dieses Lebens aus seiner Perspektive geben wird. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Verlockende Morgenröte einer neuen Zeit,
Von
Rezension bezieht sich auf: Verrückt nach Kafka. Erinnerungen an Greenwich Village (Gebundene Ausgabe)
„Mir ist klar, dass Menschen heute immer noch Bücher lesen, und dass es auch noch Büchernarren gibt, aber was wir 1946 im Village für Bücher empfanden, ging über Liebe hinaus. Es war, als hätten wir nicht gewusst, wo Bücher anfangen, und wo sie enden. Bücher waren unser Wetter, unsere Umwelt, unsere Kleidung. Wir lasen sie nicht nur, wir wurden zu Büchern. Wir nahmen sie in uns auf und formten aus ihnen unsere Geschichten. Es wäre einfacher zu sagen, wir hätten uns in die Welt der Bücher geflüchtet, aber in Wahrheit hatten die Bücher von uns Besitz ergriffen. Bücher waren für, was die Drogen in den Sechziger für junge Männer waren.“ Das ist nur eine der zahlreichen Stellen, in denen Anatol Broyard den Geist von Greenwich Village beschreibt, jenem Ort, in dem die Bibliophilen verrückt waren nach Kafka, Freund, Marx oder wie die neuen Götter auch immer heißen mochten. Auf der Bühne des New Yorker Village traf der Lebenshunger einer jungen Generation, die heil aus dem größten aller Kriege heimgekehrt war auf die missionarische Attitüde einer europäischen Bildungselite, die vor den Nationalsozialisten nach New York geflüchtet war und die sich nun anschickte, ihren juvenilen Novizen in den Hörsälen die Welt zu erklären. Am besten waren Meyer Schapiro, Erich Fromm, Max Wertheimer, Otto Rank „und all den anderen deutschen Professoren“ merkwürdigerweise aber darin, zu erklären was an der Welt nicht richtig war. „Was ist falsch an der Regierung, der Familie, der Persönlichkeitsstrukturen und an den zwischenmenschlichen Beziehungen – was ist falsch an unseren Träumen, an unserer Liebe, an unserer Arbeit, an unseren Wahrnehmungen n, an der conditione humaine überhaupt?“ So wurde für diese junge und bildungshungrige Generation, die ihre Professoren wie Gurus verehrten, das Inventar der eigenen Tradition ohne großes Federlesen auf dem Müll der Geschichte entsorgt und durch ein Gefühl grenzenloser Freiheit ersetzt, in der Literatur, Kunst und die erotischen Affären dominierten. Am Beispiel seiner eigenen Bildungsgeschichte, aber mit der Distanz von vierzig Jahren beschwört der reife Broyard die faszinierende Szenerie einer kulturellen Morgenröte, in der plötzlich alles möglich schien, einer sozialen Welt, in der „sich für Politik interessieren gleichbedeutend damit war, Kommunist zu sein“, einer Zeit, in der eine avantgardistische Persönlichkeit nur in einem schäbigen Appartement leben konnte, denn „Schäbigkeit erschien a priori wie eine Form von Charakter“. Und es war die Zeit, in der der Sex entdeckt wurde, ein Ritus „wie eine Kombination von Halloween und Weihnachten“, eine „Art verzweifelter Demokratie“ und einer Kraft, die ausgereicht hätte, „hundert Raketen auf den Mond zu schicken“. Die Darstellung dieser Welt aus Literatur und Liebe, Jazz und Politik, Tanzen und Reden ist ein literarisches Glanzstück, nicht nur, weil das ganze Roman von der ersten bis zur letzten Seite brillant und witzig geschrieben ist, sondern auch, weil die zauberhaften kleinen Miniaturen, aus denen das Buch besteht, in ihren Pointen die Kritik an dieser Moderne gleich mitliefern. Denn je weiter die Erzählung voranschreitet, desto deutlicher stellt sich heraus, dass die die intellektuellen Theorien der „deutschen Professoren“ vielleicht für die Jugend, aber nicht für das ganze Leben reichen. Mit Schrecken entdeckt der junge Broyard, dass plötzlich Unbeholfenheit, Begehren und Verlegenheit, all die heiligen Gefühle, die die Liebe umgeben wie eine magische Aura, zurückgetreten waren hinter die obszöne Einsicht, „dass alle Mädchen unter ihren Röcken Mösen haben.“ Was man aber vergaß, war dass die Mädchen „unter ihren Röcken auch Seelen haben. Wenn sie entkleidet waren, konnte ich unter ihren Röcken nicht nur ihre Mösen sondern auch ihre Seelen sehen. Sie trugen sie wie Negligés, die sie nie auszogen. Und wie man Liebe mit einer Seele macht, weiß unter einer Million Männer, höchstens einer.“
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