Was macht eine frustrierte Ehefrau und Mutter von sechs unerzogenen Kindern, um endlich ihre besten Jahre genießen und ihren Lebenstraum erfüllen zu können? Sie entledigt sich auf elegante Weise ihres Mannes, lädt die Kinder bei der Großmutter ab und reist mit dem eingetupperten Haupt ihres nunmehr kopflosen Mannes quer durch Amerika nach Hollywood, um dort die langersehnte Schauspielkarriere zu beginnen. Um dies durchzusetzen, zieht sie alle Register weiblicher Raffinesse.
Parallel dazu wird die Geschichte ihres pubertierenden Neffen erzählt, welcher beim Rasenmähen ein Auge verliert, aus Platzmangel bei der Großmutter ausquartiert wird und fortan bei seinem Onkel, einem Bestattungsunternehmer, dessen unzufriedener Frau und der sich langsam von dieser Welt entfremdenden Tochter lebt und mit der Rassendiskriminierung im Amerika der 60er Jahre konfrontiert wird.
Mark Childress versteht es, abstruse Situationen mit trockenem Humor à la John Irving lebendig und mit Liebe zum Detail darzustellen, verbindet dabei historische Momente mit erdachten Situationen. Er läßt Martin Luther King zu Wort kommen und parodiert Klischees der Hollywoodgesellschaft. Seine Hauptpersonen Lucille und Peejoe befinden sich parallel in völlig unterschiedlichen Lebenslagen und Aufenthaltsorten, dennoch verliert der Leser in keinem Moment den roten Faden. Das Wechseln der Betrachtungs- und Erzählweise sorgt für Erholung und neue Spannung zugleich. Gegensätzliche Handlungsstränge lassen keine Langeweile aufkommen.
Sowohl Situationskomik als auch an die Moral appellierende Inhalte sind charakteristisch für diesen Roman. Strukturiertes Chaos und temporeiche bis atemraubende Darstellungen zeichnen dieses Buch ebenso aus wie Momente der Besinnung. Ein Buch, das in manchen Augenblicken Peinlichkeiten verursacht, da man sich beim Lesen in der U-Bahn dabei ertappt, daß man plötzlich lauthals loslacht. Ein Buch, das aber auch traurige und zum Teil brutale Momente beinhaltet und nachdenklich stimmt. Childress verzichtet jedoch stets auf den erhobenen Zeigefinger und überläßt es dem Leser, ein Urteil zu fällen.
So, wie sich am Anfang die Wege der Protagonisten trennen, werden sie am Ende wieder zusammengeführt. Ein erzwungenes Happy-End ist dabei nicht zu erkennen, sondern ist die logische Konsequenz aller vorangegangenen Handlungen.
Dieser Roman eignet sich mehr als Urlaubs- denn als Bettlektüre. Letzteres dürfte zu Augenringen führen, da man nicht anders kann, als weiterzulesen. Und last not least wird am Ende jedermann von den Vorzügen einer luftdichten Tupperdose überzeugt sein.