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Eigendorfs Heimatverein BFC Dynamo war kein gewöhnlicher Fußballclub. Erster Vorsitzender der Sportvereinigung Dynamo war niemand anderes als Erich Mielke, und dieser empfand es als persönliche Niederlage, dass sein "Ziehsohn" Eigendorf dem SED-Regime die kalte Schulter zeigte und durch seine Flucht in den Westen "verriet". Verräter durften nicht ungestraft davonkommen. Über 50 MfS-Mitarbeiter waren zeitweise auf den Fußballprofi angesetzt, ehe die Mielke-Truppe zur Erledigung einer "spezifischen Aufgabenstellung" überging, womit im Stasi-Jargon Mord- und Terroranschläge umschrieben wurden. Fiel Lutz Eigendorf also einem Auftragsmord der Stasi zum Opfer? Es ist eine beeindruckende Indizienkette, die Heribert Schwan vor den Lesern ausbreitet. Kern seiner Theorie ist ein handschriftliches Dokument aus der MfS-Hauptabteilung "Terrorabwehr", in dem chemische Substanzen anhand von Fallbeispielen aus der Praxis auf ihre Wirksamkeit untersucht werden und in dem der Name Eigendorf auftaucht. Weitere schriftliche und mündliche Hinweise, dass der Fußballer von einem Stasi-Kommando ermordet wurde, kommen hinzu.
Wie in einem Puzzlespiel rekonstruiert Schwan, was damals tatsächlich passiert ist, wenngleich ihm die harten Beweise für seine Mordtheorie fehlen, wie er selbst einräumt. Aber alle, die über den Tod des Fußballprofis Bescheid wissen, schweigen, und so wird der mutmaßliche Mörder von Lutz Eigendorf wohl niemals gefasst werden. --Stephan Fingerle
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