Mit "Der Verräter vom Schlangental" (Aufbau-Taschenbuch 1885 - "Death on Black Dragon River", 1999) legt Christopher West einen weiteren China-Krimi mit Kommissar Wang Anzhouang von der Pekinger Kriminalpolizei vor. Diesmal macht er mit seiner Frau Lin Xiangyu, Rosina genannt, eine Reise in sein Heimatdorf Nanping im fernen Jinan, wo sein Vater nach der Machtübernahme der KPCh deren örtlicher Parteisekretär war. Doch nach einem feierlichen Empfang durch die Ortsprominenz wird er vom Polizeichef des Dorfes um Hilfe bei einer Einbruchsserie in die Villen der Neureichen zu Hilfe gerufen. Noch wichtiger wird er für die Polizei als der Parteichef ermordet aufgefunden wird. Kommissar Wang ermittelt wieder - diesmal in seiner ihm unbekannten Heimat, in der er seine Jugend verbracht hat. Die erste Spur, der er nachgeht ist die, ob der Mord im Zusammenhang mit der Einbruchsserie steht. Dieser Version neigt der Polizeichef zu, unabhängig ob sie nun stimmt oder nicht. Eine zweite Spur ergibt sich durch die Tatsache, daß im benachbarten Schlangental ein Staudamm gebaut werden soll, der von einem Teil der Bevölkerung befürwortet wird und von einem anderen nicht. Wurde mit Parteisekretär Wu einer, der sich offensichtlich auf die Seite der Befürworter schlagen wollte, ermordet? Oder - weitere Spuren: Hängt der Mord mit einem Verrat im Schlangental zusammen, als im Bürgerkrieg eine kommunistische Einheit in den Hinterhalt nationalistischer Truppen geriet und offensichtlich ein Unschuldiger verurteilt wurde? Hängt der Mord mit den Umtrieben der Rotgardisten während der Kulturrevolution zusammen, bei der viele Dorfbewohner zu Tode kamen. Schritt für Schritt kommt Kommissar Wang - trotz des Mißtrauens der Dorfbewohner - der Aufklärung des Mordes näher, wobei man viel über die Geschichte Chinas und deren Auswirkungen auf dem Land mitbekommt. Alles in allem wieder - wie in "Der rote Mandarin" (Aufbau-Taschenbuch 1976) und "Zuviel himmlischer Frieden" (Aufbau-Taschenbuch 1754) - ein spannender Kriminalroman aus dem heutigen China.