Eine begabte Sängerin verliebt sich und macht Liebe, reist dann zu einer Tante, wird entdeckt und bekommt auf Anhieb einen Job als klassische Sängerin. Das Leben läuft so gut, dass es fast ihr unheimlich ist. Nicht ohne Grund, denn auf ihrem ersten Konzert bricht sie tot zusammen.
Doch kurz vorher ist sie einer Doppelgängerin begegnet. Teil einer Touristengruppe in Krakau ist auch eine Frau, die wie sie aussieht, wie sie eine starke Beziehung zu Musik hat und wie sie eine Familie hat, die aus älteren, wunderbaren Menschen besteht. Ein Alter Ego? Jedenfalls wird die Sängerin von der Frau im Reisebus fotografiert, ohne dass diese ihre Doppelgängerin bemerkt hätte.
Nach dem Begräbnis folgt der Film dem Leben dieser geheimnisvollen Frau aus Frankreich. Und es zeigt sich, dass deren Leben von den Ereignissen im Leben der Unbekannten aus Polen nicht unbeeinflusst ist. Kaum zuhause verliebt sich die Französin. Selbst das Liebemachen sieht in Frankreich aus wie in Polen, in dem der erste Teil des Films spielte. Und nicht zuletzt gibt es immer wieder Momente, in denen die wunderbare Musik der gestorbenen Sängerin der französischen Lehrerin wie in einem Traum erscheint.
Der Film spielt mit dem Motiv der Marionetten. Ist das Leben wirklich so frei, sind Entscheidungen nach Laune wählbar? Oder gibt es andere Dinge, die Entscheidungen im Leben steuern? Sind wir mit anderen Menschen verbunden, ohne es zu ahnen, auf eine Weise, die wir nicht kennen oder verstehen? Gerade in den Momenten, in denen sich Menschen so verhalten, wie man es nicht erwartet, erscheint einem nach diesem Film einiges im Leben plausibel. Aber genug der Esoterik.
Der Film funktioniert auch formaler Ebene großartig, vielleicht noch viel mehr als durch die Geschichte, die er erzählt. "Die zwei Leben der Veronika" spielt vor allem mit Farben. Es lohnt sich, jedes Bild komplett anzusehen. Hintergründe enthalten hier kaum etwas zufälliges, immer ist wie in einem Gemälde der gesamte Inhalt auf der Leinwand gewollt. Mit subjektiver Kamera wird gespielt. Und das nicht nur als filmisches Experiment sondern mit Sinn in der Geschichte. Zu Recht ist der Film mit Preisen geehrt worden, auch wenn er dann wohl doch nicht der durchschlagende Erfolg an der Kinokasse war. Dafür ist er vielleicht doch zu rätselhaft, zu wenig durchschaubar.
Die vielleicht größte Leistung hat Krzysztof Kiesslowski aber wohl beim Casting der Hauptdarstellerin vollbracht. Neben der Tatsache, dass Irène Jacob einfach eine wunderschöne Frau ist, stellt sie manchmal aktiv, manchmal passiv in vielen Momenten großartig das Thema der "Marionette" dar und schafft es, die Verbindung mit der Unbekannten überzeugend zu vermitteln. Eine großartige Leistung.