Veronika will sich das Leben nehmen. Warum sie diese weitreichende Entscheidung getroffen hat, ist relativ unklar. Sie hat einfach keine Lust mehr, ist satt von allem, was sie selbst nicht genau definieren kann. Doch die Überdosis der sorgfältig gehorteten Tabletten verfehlt ihre Wirkung und Veronika findet sich in der Psychiatrie wieder. Die Heilanstalt erweist sich für die immer noch suizidale Frau als eine Institution mit ungewöhnlichen Methoden, die Veronika nach und nach zu einer Reflexion ihrer eigenen Existenz anregt und somit zu einer Besserung ihrer Lebenseinstellung beiträgt. Von Heilung ist allerdings nicht zu sprechen, denn das Herz der selbsternannten Todeskandidatin ist durch den Suizidversuch irreparabel geschädigt. Die Überdosis könnte also doch noch zum insgeheimen Ziel Veronikas führen.
Oftmals wird die Verfilmung einer literarischen Vorlage dem gedruckten Werk nicht gerecht, doch in diesem Falle ist Emily Young eine bemerkenswerte Ausnahme gelungen. Sowohl als Literaturverfilmung als auch als eigenständiges Werk weiß der Streifen zu überzeugen. Sarah Michelle Gellar erweist sich dabei (überraschenderweise) als gute Besetzung, auch wenn sie sich von dem Charakter des Romans etwas unterscheidet. Zudem wurde die Geschichte aus der Nachkriegszeit Sloweniens ins moderne Amerika verlegt, was aber absolut den Zeitgeist trifft. Die Depression befällt die Menschen, die vermeintlich alles haben, aber Ziele, die das Leben lebenswert machen, aus den Augen verloren haben. Doch für die lebensmüde Veronika werden diese kleinen Lebensanker sukzessive wieder sichtbar, wobei sie auch für andere Patienten der Einrichtung eine Art Heilsbringer darstellt.
'Veronika beschließt zu sterben' ist ein stiller Film mit prägnanter Bildsprache. Jede Kameraeinstellung ist durchdacht und wohlüberlegt, das perfide Spiel mit Licht und Schatten kunstvoll in Szene gesetzt. Die akustische Untermalung ergänzt die Atmosphäre und lässt den Zuschauer aus gebotener Distanz an den inneren Kämpfen der Strauchelnden teilhaben. Getragen wird der Film, auch in recht ereignislosen Phasen, durch die eindringlich agierenden Schauspieler, die den Zuschauer in ihren Bann ziehen. Ein Film, der trotz seiner bedrückenden Thematik Mut macht. Ein Appell, mit allen Sinnen zu leben und eine ungewöhnliche Hommage an die Heilkraft der Liebe.