Die zweite Staffel Veronica Mars war fast genau so wie ich sie mir nach der ersten Staffel vorgestellt hatte. Zum Fingernagelkauen anregende Fälle, die nicht so abgehoben oder weit hergeholt sind wie manche andere Krimiserien sie uns mit etlichen Morden in jeder Staffel präsentieren und daher ziemlich gut in das Milieu einer amerikanischen, reiche Kleinstadt passen, gelöst von einer sehr unterhaltsam lustigen jungen Frau, die mich mit ihrem Sarkasmus und ihrer Schlagfertigkeit immer wieder sehr an Wolke Hegenbarth in "Mein Leben und ich" hat denken lassen.
Was mit im Vergleich zu ersten Staffel gefehlt hat, war, dass der Staffelfall, den es hier aufzuklären galt leider nicht ganz an die Frage "Wer ermordete Lilly Kane?" herankam, auch wenn die im Verlauf der Staffel als wahrscheinlich zu sehenden Lösungsmöglichkeiten komplexer, intelligenter und spannender waren als in der ersten Staffel. Zudem wurde für meinen Geschmack an wenigen Stellen, aber dennoch stärker und auffälliger als in der ersten Staffel, der Teenie-Liebes-Geschmack des Publikums bedient, obwohl ich auch weiter betonen möchte, dass die Gefühlsverwicklungen von Veronica nicht im Fokus der Serie standen, was ich als sehr positiv empfinde. Froh war ich besonders darüber, dass die Frage, ob Logan oder Duncan verhältnismäßig früh in der Staffel wohl endgültig, aber auch glaubwürdig gelöst wurde und damit die Produzenten ihrem Versprechen, diesen Handlungsstrang nicht überstrapazieren zu wollen, wirklich nachgekommen sind. Auch die Umbetonung von Charakteren, die besonders die Kanes, aber auch etwas die Ecolls, rücken aus dem Fokus der Handlung heraus und machen damit Platz für eine realistische Weiterentwicklung der Gesamthandlung, was mir sehr sympathischen Nebenrollen der ersten Staffel größeren Raum gelassen hat.
Ich denke daher auch, dass der von einigen anderen Rezensionen hier schon geäußerte Satz: "Sehr gut, aber nicht ganz so gut wie die erste Staffel" hier wirklich zutrifft, was aber meiner Meinung nach bedeutet, dass selbst eine etwas schwächere zweite Staffel Veronica Mars andere Krimiserien wie Monk (besonders die schwächeren letzten Staffeln), Mord ist ihr Hobby und in einigen Folgen auch The Closer übertrifft. Für mich ist es die würdige Fortsetzung einer in Deutschland völlig zu unrecht zu wenig beachteten Serie, die zu dem besten, intelligentesten, spannendsten und unterhaltsamsten gehört, was auf dem Serienmarkt zu haben ist. Für jeden, der die erste Staffel gesehen hat, ist auch diese Staffel Pflichtprogramm.