Der Katalog zur wohl umstrittensten - und wichtigsten - Ausstellung der letzten Jahre: die Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944" des Hamburger Instituts für Sozialforschung räumt mit dem Mythos der "sauberen Wehrmacht" gründlich auf. Die AusstellungsmacherInnen um Hannes Heer beweisen anhand von drei Beispielen (Partisanenkrieg in Serbien, die 6. Armee auf dem Weg nach Stalingrad, die dreijährige Besatzung Weißrusslands), dass die Trennung von verbrecherische SS hier, "gute" ("tapfere", "heldenhafte", allenfalls "dummerweise" für einen Verbrecher kämpfende) Wehrmacht dort eine Konstruktion, eine Fiktion ist - oder schärfer formuliert, eine Lüge. Die Wehrmacht hat nicht nur durch den Krieg Operationsgebiete für die Vernichtung von Millionen Menschen geschaffen, sondern war selbst aktiv an der Vernichtungsmaschinerie beteiligt. Auf den ersten Blick eine nicht allzu überraschende Erkenntnis, wie man meinen sollte; und doch zeigt der Aufschrei, der einhellig von Focus über CDU/CSU bis hin zu NPD & Co. durch die Öffentlichkeit ging, an was für einem Tabu hier gerührt wird. Begleitet wurde die Ausstellung von Anfang an von Fälschungsvorwürfen, die sich aber sämtlich als Verleumdungen von interessierter Seite herausstellten. Erfreulich, dass die AustellungsmacherInnen so gründlich gearbeitet haben, dass sie in dieser Hinsicht keine ernsthafte Angriffsfläche bieten. Dafür wären die Reaktionen auf die Ausstellung, die ja beileibe nicht bei Fälschungsvorwürfen blieben (es sei an den Sprengstoffanschlag in Saarbrücken erinnert!), eine eigene Dokumentation wert. Eine äußerst wichtige Ausstellung, in Katalogform für jedes Bücherregal dringend empfohlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)