Wer sich für dieses Buch interessiert, sollte auf jeden Fall den Untertitel beachten: "Ein Maler und seine Stadt", denn darum und fast nur darum geht es hier. Der Prestel-Verlag hat sich (warum auch immer) dazu entschlossen, auf das Cover nur "Vermeer van Delft" zu schreiben und führt damit seine p.t.Leserschaft gehörig in die Irre. Denn hier handelt es sich keineswegs um eine allgemeine Auseinandersetzung mit dem Werk des Meisters.
Definitiv wird von Irene Netta nur ein einziges Gemälde Vermeers sehr,sehr ausführlich beschrieben: die "Ansicht von Delft" aus den Jahren 1660/61. Ergänzend findet sich dann ein Kapitel über die Stadt Delft im 17.Jahrhundert, kombiniert mit einem Abriss der Geschichte der Niederlande in dieser Epoche. Das alles ist sehr ordentlich recherchiert und auch ein wenig akademisch, es wirkt mehr wie eine Dissertation.
Interessanter finde ich das Einleitungskapitel mit Vermeers Biographie, das ehrlich zugibt, wie wenig wir von diesem Maler eigentlich sicher wissen. Und das war's dann auch schon wieder, mehr bietet der Text nicht.
Insgesamt also keineswegs ein vollständiges Vermeer-Kompendium, sondern eher eine gut gemeinte Nebensächlichkeit - immerhin mit den Abbildungen aller bekannten Vermeer-Gemälde in guter Druckqualität.