Der promovierte Politologe Erich Follath hat sich seit den Achtzigerjahren immer wieder in Tibet aufgehalten, dort die Klöster aufgesucht und den 14. Dalai Lama in dessen Exil in Dharamsala interviewt.
Der Dalai Lama, zu mongol. dalai "Ozean" (des gelehrten Wissens) ist der höchste Würdenträger des Lamaismus und seit dem 16. Jahrhundert das religiöse und politische Oberhaupt Tibets. Im April 2007 traf Follath den Gottkönig in Leipzig zu einem Gespräch im privaten Rahmen.
Der Autor befragt den Dalai Lama kritisch , teilweise fast provokant zu politischen und religiösen Themen und zeichnet auf diese Weise ein umfassendes Bild von dem Friedensnobelpreisträger von 1989, der sich auf internationaler Ebene für Toleranz zwischen den Religionen und Völkern und für die Wahrnehmung der globalen Verantwortung der Menschheit einsetzt.
Thematisiert werden u.a. die Wiedergeburten des derzeitigen Dalai Lamas, seine Kindheit, religiöse Inhalte des Buddhismus und die politischen Gründe, die dazu führten, dass der Dalai Lama Ende der 50er Jahre Tibet verließ.
1950 hatten die Chinesen Tibet besetzt. Die Besatzer zerstörten Klöster und demütigten Mönche. Der Dalai Lama war 24 Jahre als er sich 1959 auf Rat des Staatsorakels während eines zum Scheitern verurteilten Volksaufstandes zur Flucht entschloss. Mehr als 80 000 Tibeter sind dem Dalai Lama nach und nach in die Fremde gefolgt. Viele setzten ihr Leben aufs Spiel . Während der Kämpfe , die drei Tage andauerten , starben 3000 Tibeter und mehr als 4000 wurden gefangen genommen.
Im Exil entstand auf Veranlassung des Dalai Lamas und unter seiner Leitung ein Parlament. Die tibetische Exilregierung setzt sich dafür ein , über Verhandlungen mit der chinesischen Regierung wirkliche Autonomie zu erlangen.
Im indischen Dharamsala , ungefähr 150 km von der tibetischen Grenze entfernt, lebt der von Follath befragte Gottkönig, der sich immer noch intensiv mit den Reformen für ein zukünftiges Tibet befasst, dem er eine demokratische Verfassung geben möchte.
Follath lässt den Leser wissen, was der Dalai Lama täglich unternimmt und verdeutlicht in diesem Zusammenhang, weshalb er weltliche Dinge nur nach ihrer Funktionalität beurteilt. Er diskutiert mit ihm den buddhistischen Glauben, insbesondere die ethischen Wertmaßstäbe der Buddhisten und lotet hier beharrlich die Grenzen aus.
Ein interessantes Buch über einen ganz besonderen Menschen und seine vielfältigen Aktivitäten, für den übrigens das Glück eine Frage der inneren Haltung ist.
Empfehlenswert.