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Der Verlorene
 
 
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Der Verlorene [Taschenbuch]

Hans-Ulrich Treichel
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (29 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 176 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 10 (22. November 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518395610
  • ISBN-13: 978-3518395615
  • Größe und/oder Gewicht: 17,3 x 10,7 x 1,3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (29 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 64.805 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Die Geschichte einer Kindheit in den fünfziger Jahren, eine ironisch-humorvolle, bisweilen bitter-lakonische Version der Parabel vom »verlorenen Sohn«, doch auch die Geschichte der vergeblichen Suche einer Mutter nach ihrem Kind. »Ohne viel Aufhebens davon zu machen, trägt Treichel mit dieser Erzählung zur inneren Geschichtsschreibung seiner Generation bei«, hieß es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Vorabdruck. (Frankfurter Allgemeine Zeitung )

Kurzbeschreibung

Eine Familie hat es nach der Flucht aus dem Osten im deutschen Westen zu etwas gebracht. Doch das alltägliche Leben wird von nur einem Thema beherrscht: der Suche nach dem auf dem Treck verlorengegangenen Erstgeborenen, Arnold. Der jüngere Bruder und Ich-Erzähler des Romans erfaßt schnell, daß ihm nur eine Nebenrolle zugedacht ist. In seiner Vorstellung wird das, was die Eltern ersehnen, nämlich die Rückkehr des Verschwundenen, zum Alptraum. Lakonisch-distanziert und zugleich ironisch-humorvoll erzählt Hans-Ulrich Treichel, Jahrgang 1952, die Geschichte seiner Generation.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

22 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Eine scharfsinnige Geschichte der Nachkriegszeit, 18. Januar 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Verlorene (Taschenbuch)
Durch diese Geschichte einer Familie auf der besessenen Suche nach dem auf der Flucht vor den Russen verlorenen Erstgeborenen liefert uns Treichel einerseits einen bitteren Kommentar zur Gesellschaft der Nachkriegszeit, andererseits liefert er uns einen teils traurigen, teils humorvollen Einblick in eine Familienstruktur und in die unsichere Welt eines Kindes. Von der kindlichen Perspektive des Zweitgeborenen erzählt, beleuchtet ‘Der Verlorene’ eine Welt, in der der Kampf um die Macht und den Status sowohl innerhalb der Familie als auch innerhalb der Gesellschaft zur Besessenheit wird. Der Vater, erfolgreicher Fleischgrosshändler und Verkörperung des Wirtschaftswunders, ist Patriarch und Entscheidungsträger. Hinter ihm steht die von der Suche nach ihrem Sohn besessene Mutter, und letztlich ihr Zweitgeborener – der von Schuld und Scham betroffene Ich-Erzähler. Obwohl dem Leser nur drei Familienmitglieder vorgestellt werden, steht ein Vierter im Vordergrund dieser Familie – der verlorene ältere Bruder Arnold, nach dessen Heimkehr sich die Eltern sehnen. Für den Ich-Erzähler ist das jedoch seine grösste Furcht.

Diese kurze, kapitellose Erzählung ist höchst fesselnd und lässt sich nicht aus der Hand legen. Die Charaktere werden allmählich durch Treichels scharfsinniges Verständnis für die Menschheit zu erkennbaren Leuten. Aufgrund der Kindheitsperspektive ist die Geschichte täuschend einfach erzählt. Der Ich-Erzähler benutzt hauptsächlich einfache Wörter und Sätze, aber Treichels ironischer Tonfall lässt sich nicht zum Schweigen bringen. Trotz der vielen traurigen und schmerzlichen Augenblicke ist die Erzählung jedoch von Komik und Witz geprägt. Der kindliche Ich-Erzähler ist sowohl ein genauer Beobachter seines Milieus, der die Nachkriegswirklichkeit enthüllt, als auch ein naives Kind, dessen Ängste und Missverständnisse zugleich traurig und humorvoll sind.

Wie viele Romane über die fünfziger Jahre erläutert diese Erzählung die Wirklichkeit der Nachkriegsperiode. Das Schweigen und die Kommunikationsunfähigkeit der Eltern deuten auf das kollektive Schweigen nach dem Kriegsende hin. Die Schlagwörter und Befehle des Vaters erinnern an die NS-Vergangenheit, und die erbbiologischen Untersuchungen erinnern an die rassenkundlichen Untersuchungen des Dritten Reichs. Aber ‘Der Verlorene’ ist auch von universeller Bedeutung. Wer mit Kafkas ‘Die Verwandlung’ vertraut ist, wird durch Treichels starke Familienhierarchie und die Kämpfe um die Vormachtstellung an die Familie Samsa erinnert. Genauso wie in ‘Die Verwandlung’ können hier Macht und Status nicht geteilt werden, weder von Geschwistern noch von den Eltern. Meines Erachtens ist ‘Der Verlorene’ von allgemeinem Interesse, und sowohl ältere als auch jüngere Leser werden etwas in dieser Geschichte finden, über das sie lächeln und mit dem sie sich identifizieren können.

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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Der Verlorene, 3. Februar 2006
Von 
Bella219KF (Bremen, Bremen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der Verlorene (Taschenbuch)
Der kleine Arnold ist während der Flucht aus Ostpreußen verlorengegangen: bedrängt von Soldaten hatten seine Eltern versucht, ihn in Sicherheit zu bringen. Dies erfährt nun auch der jüngere Bruder, welcher Arnold bisher für tot gehalten hatte. Der Roman handelt von der Suche der Eltern nach ihrem verlorenen Sohn. Der jüngere Sohn jedoch fühlt sich verdrängt von dem unbekannten Bruder, der die ganze Aufmerksamkeit seiner Eltern in Anspruch nimmt. Im Gegensatz zu ihnen ist für ihn die erhofften Rückkehr Arnolds ein Alptraum.

Der Name und das genaue Alter des Ich-Erzählers bleiben unerwähnt, selbst den Zeitpunkt der Handlung erfährt man nur indirekt. Man verfolgt das Geschehen aus der Perspektive des etwa 10-12jährigen Jungen. Und ebenso wie die Eltern ihren Sohn vor der Wahrheit und ihrem Leiden beschützen, so wird auch der Leser nicht direkt damit konfontiert. Trotzdem wirft die verzweifelte Suche nach dem verlorenen Sohn einen spürbaren Schatten auf das Familienleben.

Obwohl sich die Handlung über einen größeren Zeitraum erstreckt, verzichtet Treichel auf eine Unterteilung in einzelne Kapitel. Dadurch wird es fast unmöglich, das Buch wieder aus der Hand zu legen, was aber bei etwas über 170 Seiten nicht so schlimm ist.

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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Schweineblut ist Lebenssaft, 15. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Der Verlorene (Taschenbuch)
Man taucht ein in die späten 50er, frühen 60er Jahre, als Männer noch stolz auf ihren Leibesumfang waren, Ärzte beim Patientengespräch noch rauchten, der Verzehr von beachtlichen Mengen Fleischspeisen ungetrübte Freude auslöste und Sonntage in Sonntagshosen verbracht wurden.
Der Ich-Erzähler schildert die Welt eines Jungen, dessen Alter und Namen der Leser nicht erfährt. Hauptperson ist der auf der Flucht aus dem Osten verloren gegangene Bruder, den wiederzufinden das größte Ziel der Eltern zu sein scheint. Man ahnt die Traumata von Flucht und Vertreibung, gleichwohl sie aus der Perspektive eines nachgeborenen Jungen beschrieben werden, dem das Leid der Eltern fremd und unverständlich bleibt. Die Aussicht hingegen, einen älteren, den Ich-Erzähler seiner Singularität berauchbenden, Bruder "vorgesetzt" zu bekommen, ist für ihn sehr konkret und wenig beglückend.
Lakonisch der Erzählduktus, die Spannung gut gehalten, ein wunderbares Buch, um für 2-3 Stunden in eine längst vergangene Zeit einzutauchen.
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