Janos Székely wurde 1901 in Budapest geboren. Mit 18 Jahren begann er als Drehbuchschreiber in Berlin. Er hat mit so berühmten Leuten wie Ernst Lubitsch, Emil Jannings und Marlene Dietrich gearbeitet und 1940 für eines seiner Drehbücher einen Oscar erhalten. Er hat einen einzigen Roman geschrieben „Verlockung", der 1946 in den USA erschienen ist.
Dieser Roman spielt zwischen den beiden Weltkriegen in Ungarn. Die Geschichte hat ihren Ursprung im bäuerlichen Milieu. Dort wird von einem sehr jungen Mädchen erzählt die der Bauernjunge Béla ein uneheliches Kind geboren hat, den späteren Bauernjungen Béla. Da die jungen Mädchen ihren Lebensunterhalt als Dienstmädchen verdienen mussten, wurden diese Kinder einer Frau im Dorf übergeben, die sie aufzog. Diese Frau ging bei ihrer Tätigkeit mit den Kindern ungeheuer lieblos um. Mit einer genialen erzählerischen Kraft führt uns der Autor in das erdrückende, erschütternde Milieu dieser Kleinkindzeit. Es war nur wenig Geld da und so liefen die Kinder in Lumpen, hatten kein Schuhwerk und kaum etwas zu essen. Sie litten Hunger nicht nur an Leib sondern auch an Herz und Psyche.
Eines Tages trifft ein Lehrer den Jungen Béla und überredet ihn zur Schule zu gehen, damit aus dem dummen Bauernjungen ein halbwegs gescheites Kind wird.
Später kommt Béla dann nach Budapest, dort wo seine Mutter zwischenzeitlich als Wäscherin arbeitet. Der Vater, geschildert als eine ausnehmend großartige Figur, taucht hier wieder auf. Alle Drei leben nun zusammen. Sie sind bettelarm, bis Béla eines Tages,eine Stelle als Liftboy in einem Grand Hotel findet.
Er lebt von den Trinkgeldern die er bekommt. In dem Hotel wohnt unter anderen eine sehr reiche Frau, ihre „Exzellenz" genannt, deren Hund Béla täglich ausführen muss. Und dieser Hund bekommt so leckeres Futter, dass Béla es mit ihm teilt. Es tut der Freundschaft zwischen Béla und dem Tier keinen Abbruch. Das bisschen Essen das er im Hotel bekommt, bringt er seiner Mutter nach Hause.
Und ihre „Exzellenz" bestellt sich den hübschen Liftboy, auch das eine und andere Mal, für ein Liebesabenteuer aufs Zimmer.
Jetzt werden diese Gegensätze erst richtig augenfällig. Da treffen diese beiden so unterschiedlichen Welten aufeinander. Auf der einen Seite die dekadenten Menschen, die dem Luxus, Champagner und der Erotik verfallen sind und auf der anderen Seite Bélas Familie, die die bittere Armut zu Hause mit Disziplin erträgt. Völlig am Ende ihrer Kräfte und abgearbeitet stirbt die Mutter mit 34 Jahren. Der Vater ist mittlerweile verschwunden und Béla beschließt Ungarn zu verlassen, um Schriftsteller zu werden. Als blinder Passagier fährt er zunächst auf einem Schiff nach Wien und dann in eine glücklichere, bessere Zukunft.
Der Titel „Verlockung" hat sicher auch etwas mit der Liebesgeschichte im Hotel zu tun, aber er meint auch etwas Politisches. In der Zeit zwischen den beiden großen Kriegen, in der Zeit des brutalen Horthy-Regimes kommen nicht nur die Rechten aus den Löchern, sondern es entsteht der Nährboden für Sozialismus und Kommunismus. Der Autor vermittelt das Verständnis dafür, dass es bei diesen Lebensbedingungen für viele Menschen nur zwei Möglichkeiten im Leben geben kann, entweder man schließt sich der Revolution an oder man wird Kleinkrimineller.
Der Roman ist sehr stark autobiographisch, und schildert ein persönliches Lebensschicksal, er ist auch eine Entwicklungsgeschichte. Es ist zugleich auch ein historischer Roman. Ein großartiges Buch, eine phantastische Geschichte, so gründlich, so bedrückend und so eindrucksvoll.
Das Buch arbeitet ausgesprochen atmosphärisch auf ganz verschiedenen Reflexionsebenen. Ich finde, es ist rasant geschrieben, unglaublich gut geschrieben.