Wie die Überschrift und meine Sternevergabe schon zeigen, konnte mich "Verliebt in einen Vampir" nicht wirklich überzeugen. Der Kauf des Buches war mal wieder eine spontane Sache, weil der Klapptext und die Aufmachung des Buches mich wirklich positiv ansprachen. Zudem wird groß mit New-York-Times-Besteller geworben, was mich in der Vergangenheit schon zu einigen wirklich guten Vampirbuchserien geführt hat. Kurzum, es war gekauft und ich war auch relativ schnell damit durch.
Bevor ich anfange rumzumäkeln, möchte ich erst einmal die positiven Aspekte hervorheben. Inhaltlich wurde ja schon das wichtigste gesagt. Die Grundidee sowie der Anfang der Geschichte sind wirklich gut. Auch waren mir die beiden Protagonisten weites gehend sehr sympathisch. Etienne und Rachel sind nicht unbedingt stereotypisch und auch die restlichen Clanmitglieder stellen interessante Persönlichkeiten dar, die für kommende Bände noch jede Menge Potential bieten. Zudem stellt Lynsay Sands ihre eigene Theorie zur Entstehung der Vampire vor, kleine Nanos im Blut, die eine Person unsterblich machen, wenn sie nur ausreichend Blut zu sich nehmen. Im Prinzip stände einem guten Buch also nichts im Weg...
Was mich also stört? Tja, man merkt es dem Buch mit der Zeit an, dass die Autorin hier keine allzu ernstnehmende Story entwickelt hat. Wirklich komisch fand ich das alles hingegen aber auch nicht. Das Ganze ist irgendwie weder Fisch noch Fleisch. Es war weder besonders spannend oder gruslig/düster noch waren die Dialoge erheiternd oder amüsierend. Stellenweise dümpelt die Geschichte so vor sich hin, ergeht sich dann von der einen in die nächste erotische Liebesszene und viele Gesprächen zwischen Etienne und Rachel sind doch sehr auf den nächsten "Akt" hinkonzipiert. Die Erotiksachen an sich sind ja auch nicht schlecht geschrieben; Lynsay Sands weiß wirklich, die Dinge gut zu verpacken ohne dabei pornographisch zu werden. Vielmehr der Weg dahin... na ja!
Die Idee mit der Nahrungszufuhr durch kaltes Spenderblut und das Einsaugen durch die Zähne nimmt dem Vampirsein hingegen völlig seinen Reiz. Bei aller Liebe zu meinen Mitmenschen finde ich es jedoch schöner, wenn sich der Vampir sein Blut noch direkt frisch von der Vene zapft, sei es nun bei Tier, Mensch oder andern Blutsaugern. Das Beutelblut stelle ich mir nicht so nahrhaft vor und auch diese Cocktails mit Blut von Drogensüchtigen und Alkoholikern fand ich ein bisschen affig und klischeelastig.
Das größte Manko und der Grund, warum die Bewertung nur Mittelmaß ist, führe ich für mich auf den Plot zurück. Nach der völlig vorschnellen Umwandlung von Rachel und den Problemen mit ihrem neuen Dasein ist irgendwann die Luft raus. Etienne und Rachel finden langsam über ihre Körper auch auf mentaler Ebene zueinander und die Bedrohung von Pudge ist mal mehr, mal weniger präsent. Was Pudge eigentlich darstellen sollte, ist mir bis heute noch schleierhaft. Das der nicht ganz richtig tickt und damit seine Beweggründe nicht immer nachvollziehbar sind, mag ja noch so sein, aber irgendwie schert sich keiner so recht um den. Der läuft gegen Etienne Amok, aber keiner weiß Rat und stellenweise findet seine Person keine Bedeutung mehr, obwohl ja bekannt ist, wo er wohnhaft ist. Vielleicht brauchte man schließlich noch ein Aufhänger für den Schluss, ich weiß es nicht. Das Ende war schrecklich vorhersehbar und in etwa so spannend wie Fensterputzen.
Vielleicht waren meine Erwartungen an das Buch falsch oder aber es liegt daran, dass ich es bei Vampiren eher düsterer mag. Mir hat es nicht gefallen! Ob ich den nächsten Teil lese? Ich überrasch' mich selbst. Schlecht war "Verliebt in einen Vampir" nicht, aber mich konnte es nicht mitreißen. Ich denke, es gibt bestimmt einige, die Spaß an solchen Büchern haben, gerade, wenn man vielleicht auf Mary Janice Davidson steht. Wer es lieber düsterer mag, der sollte zu anderen Vampirromanen greifen.