Als der gerade achtjährige Bryce mit seiner Familie 1957 in ein neues Haus zieht, steht plötzlich die gleichaltrige Juli von gegenüber im Umzugslaster und will tragen helfen, was sowohl Vater als auch Sohn ablehnen. Es ist der Beginn einer jahrelangen Annäherung bei gleichzeitiger Ablehnung zwischen Juli und Bryce. Zuerst schwärmt sie für ihn und in der Schule reden alle darüber, dann muss sie wahrnehmen, wie gemein und egoistisch er sein kann und sie wendet sich gekränkt ab, um schließlich von ihm verfolgt und begehrt zu werden. Im Laufe dieses Wechselbads der Gefühle lernt der Betrachter die beiden Familien näher kennen - und so manches durch die unterschiedlichen Perspektiven, aus denen die selben Bilder gezeigt werden, besser verstehen.
Dies ist auch die Stärke des (in Deutschland nur auf DVD erschienenen) neuen Films von Rob Reiner, der sowohl schon einen Klassiker der Beziehungskomödie (
Harry & Sally), als auch einen Klassiker des Coming-of-Age-Dramas (
Stand By Me - Das Geheimnis eines Sommers) gedreht hat und zuletzt mit Rentnern erfolgreich war (
Das Beste kommt zum Schluss). Reiner wechselt beständig zwischen den Erzählern Bryce und Juli (jeweils aus dem OFF gesprochen) hin und her, so dass ein und dieselbe Szene gegensätzliche Deutungen erfährt. Der Zuschauer hat so einen Wissensvorsprung, da er in die Gedanken beider jugendlicher Helden (im Großteil der story sind sie in der siebten Klasse) eintaucht und deren Wahrnehmung kennt. Die (Film-)Charaktere müssen dies erst voneinander lernen: Insbesondere Bryce versteht nach und nach, dass Juli vielleicht nicht seltsamer, sondern vielmehr interessanter als die meisten anderen ist, und dass ihre Familie - so wie sein Vater beständig betont - nicht verträumt, schlampig und vernachlässigt ist, sondern Gefühle vor Rationalität stellt und mit weit größeren existentiellen und finanziellen Problemen zu kämpfen hat, gleichwohl aber nicht unglücklicher lebt. Insbesondere Chad, der Großvater von Bryce, wird zum Mentor des Jungen und fordert ihn zum ehrlichen und vorurteilsfreien Handeln auf.
So entwickelt sich eine einfache, aber intelligent erzählte Geschichte, um Liebe, Freundschaft, Ehrlichkeit und die Fähigkeit, die Welt mit den Augen eines anderen Menschen sehen zu lernen. Das ganze wird in einer liebevoll ausgestatteten Welt, Ende der 50er Jahre, mit entsprechender Musik im Hintergrund und einer guten Portion Humor dargeboten. Sicher ist es kein Meisterwerk aber ein kleiner, sehr sehenswerter Film für die ganze Familie geworden auf einer DVD ohne nennenswerte Extras - aber mit viel Herz.