... ist dieser Roman ein echter Lese-Genuss. Kundig leitet der Autor einen durch die Stadt und vor allem durch ihre Restaurants, deren Gerichte und Weine (vielleicht ein wenig zu geschmäcklerisch) präsentiert werden. Die atmosphärischen Schilderungen von Stadt, See und Alpenpenpanorama sind sehr stimmig, und die Liebesgeschichte ist perfekt in die Topographie eingebettet. Zwei, die sich vor achtzehn Jahren getrennt haben, finden sich wieder. Und siehe da, es ist alles wie früher, nichts trennt sie, immer haben sie aufeinander gewartet. Bis zum Ende der Geschichte rechnet man eigentlich mit einem großen Knall, oder vielleicht wenigstens mit einer kleinen Irritation, aber nein, es handelt sich um eine astreine Liebesgeschichte. Nichts dagegen, es ist vielleicht ein wenig kitschig, aber sehr schön gemacht und ganz kuschelig zum Lesen. Doch eines stört dann doch zu sehr: Nicht nur, dass unser Held (ein berühmter Pianist) immer noch von der Liebe seines Lebens begehrt wird, nein, es werden auch gleich noch drei andere Frauen aufgeboten, die um seine Liebe buhlen: die ausgebuffte Agentin, die junge Assistentin der eigentlich Geliebten (die wohl ihr alter ego in jüngeren Jahren sein soll) und eine Hotelangestellte, die dem Pianisten jeden Gefallen tut. Auch das könnte man sich ja noch vorstellen, schließlich ist der Mann reich, berühmt und in einem Alter, das (unter Männern jedenfalls) als das beste gilt. Doch selbst als die weniger erfolgreichen Damen ihre Niederlage einstecken müssen, scharen sie sich noch einvernehmlich und bewundernd um ihren Helden.
So angenehm sich der ganze Roman auch liest, damit wird die Kitschgrenze dann leider endgültig überschritten.