Eine wunderbare CD, die sich in der gesamten Konzeption in sehr erfreulicher Weise von dem abhebt, was man üblicherweise über Oscar Wilde liest und hört.
Schon der Einstieg mit einem Auszug aus "De Profundis", meiner Meinung nach eines der beeindruckensten Werke von Wilde, ist brillant. In den von Bernd Sucher gewählten Auszügen von "De Profundis" geht es nicht nur um die Beziehung zu Bosie, sondern auch und v.a. um die Aussagen zur Kunst und die Apotheose von Christus.
Im weiteren werden Gedichte von Wilde zitiert und die Poems in Prose, die jeweils in Deutschland noch nicht so bekannt sind. Daneben wird Oscar Wilde als Kritiker und Essayist dargestellt, der mit spitzer Feder und scharfem Intellekt seine eigene Kunsttheorie entwickelt hat.
Natürlich darf sich der Hörer auch über viele der wunderbaren Bon mots freuen, aber die CD beschränkt sich nicht darauf, was bei so vielen anderen Werken über Wilde der Fall ist.
In Verbindung mit dem Werk wird natürlich die Biographie erzählt, man merkt aber, dass Bernd Sucher sich v.a. für das wunderbare Werk Wildes interessiert und gerade auf unbekanntere Dinge neugierig machen möchte. Ich finde das umso erfreulicher, da es Wilde meines Erachtens auch eher gerecht wird. Zu oft wird in der Beschäftigung mit ihm das gegenüber Andre Gide ausgesprochene Bon Mot zitiert "I put all my genius into my life; I put only my talent into my works." Dies wird als Rechtfertigung dafür genommen, dass man sich voyeuristisch mit seinem Leben beschäftigt und sein Werk getrost außer acht lassen kann (jedenfalls soweit es nicht in das eher eindimensionale Bild des Dandies paßt, das man sich zurecht gelegt hat). Ich frage mich, ob man nicht den Aussagen in "De Profundis" mehr Beachtung schenken müßte, in denen er gesagt hat, "Nothing really at any period of my life was ever of the smallest importance to me compared with Art". Wenn man berücksichtigt in welcher Lage er "De Profundis" geschrieben hat (nach beinahe zwei Jahren Gefängnis und Zwangsarbeit) erscheint mir darin mehr Wahrhaftigkeit zu sein als in einem Bon mot, das er am Tisch eines Cafe gesagt, um zu erstaunen und zu bezaubern.
Vermißt habe ich allenfalls ein paar Worte über die Zeit im Gefängnis und vielleicht einige Auszüge aus der "Ballad of Reading Gaol" und aus Salome, aber die Zeit auf der CD ist natürlich begrenzt.
Abschließend noch Lob für Udo Samel, der wunderbar liest und spricht. Insgesamt eine hervorragende CD, die jedem der sich für Oscar Wilde interessiert nur wärmestens empfohlen werden kann. Vielleicht auch als Einstieg für Leute, die bislang nur "The picture of Dorian Gray" und "The importance of beeing Earnest" kennen.