Arnold Schönberg gilt als der Begründer der Neuen Wiener Schule. Auf dieser CD sind zwei Kammermusiken für Streicher zusammengestellt, welche zwei Bereiche des Schaffens desselben abdecken.
Das Streichsextett "Verklärte Nacht" von 1899 steht noch im Stile der Spätromantik. Die Klangsprache erinnert stark an die Richard Strauss'. Man fühlt sich bisweilen in die Sphären der Metamorphosen für Solostreicher versetzt. Tiefes Gefühl, hohe Liebe und weite Trauer kennzeichnen dieses wundervolle Stück, das auf ein Gedicht von Richard Dehmel geschrieben worden ist. Dieses weit über seine Zeit hinaus reichende Stück Lyrik ist durch Schönbergs Komposition geradezu geadelt worden. Getragene Tempi, lyrische Transzendenz und viel Einfühlungsvermögen machen jenes bekannteste Werk des Komponisten zu einem wahren Leckerbissen.
Ganz anders gebart sich das Streichtrio, das nach dem Zweiten Weltkrieg und nach einem lebensbedrohlichen Krankenhausaufenthalt Schönbergs geschrieben wurde: Stechende, beißende Klänge der Streicher und eine stets immanente Unruhe sind die Markenzeichen dieses Stückes. Schönberg gibt sich hier ganz und gar der freien Atonalität hin. Zwar schätze ich Streicherensembles der Neuen Musik, so bespielsweise Bartóks Streichquartette oder die Ligetis, allerdings konnte ich keinen Gefallen an diesen sehr wenig harmonischen Sätzen finden.
Das Lasalle Quartet unter Verstärkung von Donald McInnes (Viola) und Jonathan Pegis (Violoncello) spielt diese Stücke mit tiefem Verständnis und viel Transparenz, was bei Werken aus der Neuen Musik extrem wichtig ist. Jede Kleinigkeit findet Beachtung, jede Nuance wird herausgearbeitet, jede Verzierung wird offen gelegt.
Fazit: "Verklärte Nacht" zählt wohl zu den wichtigsten kammermusikalischen Werken des endenden 19. Jahrhunderts; das Streichtrio aber kann ich leider nicht gutheißen. Die Interpretation aber, die auf dieser CD dargeboten wird, sucht ihresgleichen. Zudem besticht die Aufnahme durch fabelhaften, glasklaren Klang.