Was will ein Geiselnehmer wirklich, wenn er mit der Polizei verhandelt? Geht es ihm nur um ein Fluchtauto und ein Lösegeld? Oder geht es ihm vielmehr um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit oder seiner Ex-Freundin? Die erste Forderung (Auto, Lösegeld) kann vordergründige Position sein, die zweite (Aufmerksamkeit) das wahre Motiv. Wer gut verhandeln will, muss beides sauber unterscheiden können.
Anhand solcher Beispiele aus seiner Polizistenlaufbahn macht Autor Schranner deutlich, worauf es beim Verhandeln ankommt. Zwar wird es der Leser kaum mit Verbrechern zu tun bekommen. Aber in Stresssituationen, wie es Verhandlungen nun einmal sind, laufen oft dieselben Verhaltensmuster ab. Zum Beispiel neigen wir dazu, bei Angriffen mit Gegenangriffen zu reagieren. Schranner legt nüchtern dar, warum solche Reaktionen immer falsch sind. Seine These: Man kann kaum die Aktion des Verhandlungspartners, dagegen sehr gut die eigene Reaktion beeinflussen.
Die Kritik, dass wenig Beispiele aus dem Geschäftsleben enthalten sind, ist berechtigt. Allerdings erhebt das Buch nicht den Anspruch, alle Aspekte von A bis Z zu klären. Es geht mehr ums Grundsätzliche, das sich auf unterschiedliche Situationen übertragen lässt. Vor diesem Hintergrund ist dieses mit leichter Feder geschriebene Buch eindeutig zu empfehlen.
Als Ergänzungslektüre für Gehaltsverhandlungen empfehle ich "Geheime Tricks für mehr Gehalt" von Martin Wehrle, eines meiner Lieblingsbücher. Auch "Das Harvard-Konzept" von Roger Fisher u.a. aus dem Campus-Verlag liefert weitere Aspekte (allerdings schneiden sich einige Thesen der Autoren mit denen von Schranner).