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31 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein intimes Meisterwerk von Louis Malle, 6. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Verhängnis (DVD)
Den letzten Film von Malle als erotischen Film zu klassifizieren, ist nur sehr oberflächlich schlüssig. Es gibt zwar Sexszenen, aber diese haben eine narrative Funktion und sind ganz sicher nicht dazu da, den Zuschauer anzuregen oder gar zu erregen. Es handelt sich um ein Drama mit komplexen Charakteren und Szenen, die für mich einfach unvergesslich sind, was an den Dialogen, der dezenten Musik (Z. Preisner) und vor allem an den fulminanten Darstellern liegt. Jeremy Irons ist in einer typischen Irons-Rolle zu sehen. Er ist der Prototyp des einsamen, arrivierten Mannes, dem etwas entscheidendes fehlt, dessen Einsamkeit im Grunde unerklärlich ist. Das alles liegt in seinem Gesicht. Im Grunde müsste er ein glücklicher Mensch sein. Warum gerade Anna Barton in ihm ein nie dagewesenes Gefühlschaos auslöst, bleibt ein Geheimnis (wir nehmen es hin, denn wie sollte man das erklären?). Die Sex-Szenen gleichen Ringkämpfen, sind wenig zärtlich, eher ein Aufbäumen. Eine Julitte Binoche wie diese hat man noch nie gesehen, wird man auch nicht wieder sehen. Diese Figur ist von allen anderen Charakteren, die sie bislang dargestellt hat, Lichtjahre entfernt. Und selbst der kurze Auftritt von Peter Stormare als Peter zeigt, dass ein Schauspieler in weniger als vier Minuten eine Figur schaffen kann, die vielgestaltige Konturen besitzt, eine Geschichte mitbringt, Ausstrahlung hat. Natürlich ist "Verhängnis" kein wirklich guter Titel, "Damage" (im Original) wohl auch nicht. Es sind die Blicke der Figuren (ins Leere, aneinander vorbei, zueinander), die mehr erzählen als Worte. Die Szene mit Natasha Richardson zu Hause in der Küche, nachdem das denbkar Schlimmste passiert ist, gehört zum Besten, was ich überhaupt jemals im Kino gesehen habe. Hier stimmt jede Nuance, und kein unnötiger Verstärker durch Musik. Die Zurückhaltung von Preisner, der vor allem Solo-Instrumente einsetzt, ist ein Glücksfall. Die psychologisierende Ebene (Annas Geschichte) ist aus meiner Sicht schlüssig und nicht zu simpel wie in vielen amerikanischen Filmen. Neben M. Butterfly, Dead Ringers, Brideshead Revisited (TV) und die erste halbe Stunde von Lolita (der als Gesamtwerk dann doch leider den falschen Ton anschlägt) der beste Film mit Jeremy Irons, der seit Ende der neunziger Jahre immer seltener ein glückliches Händchen bei seiner Rollenwahl hatte.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die zerstörende Kraft der unkontrollierbaren Sucht nach Liebe, 22. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Verhängnis (DVD)
"Hier ist Anna." - "Geben Sie mir Ihre Adresse. Ich werde in einer Stunde da sein." Mit diesen Worten beginnt der in die Jahre kommende, verheiratete englische Staatssekretär Stephen Fleming eine Affäre - und obendrein noch mit der Geliebten seines eigenen Sohnes. Das ist ethisch verwerflich, aber was soll man machen, wenn es einen erwischt hat ? Der Attraktivität und Liebesbedürftigkeit der süßen Dame verfallen, steuert der entflammte Fleming sein Lebensschiff etappenweise auf die Sandbank... Bei diesem Erotikdrama kommt in keiner Minute Langeweile oder Abscheu auf. Es ist hochinteressant, die Gesichtsausdrücke der Protagonisten zu lesen und ihr Innenleben zu ergründen. Die intelligenten Dialoge enthalten einprägsame Sätze("Ich kann nicht weiter sehen als bis zu dir.", "Du würdest etwas bekommen, was du schon längst besitzt."). Die nackten Liebesszenen überraschen durch Phantasie und Authentizität. Jeremy Irons und Juliette Binoche kommen sich vor der Kamera erschreckend nahe. Eindringlich und bedrückend schildert Louis Malle in seinem vorletzten Film Stationen eines menschlichen Niedergangs. Für die weibliche Hauptrolle dieser Josephine Hart-Verfilmung hatte sich Isabelle Adjani gemeldet, aber der Regisseur lehnte ab. Und tatsächlich kann ich mir für die Rolle der liebeshungrigen, klug-zerbrechlichen Verführerin keine Passendere vorstellen als die elegante Juliette Binoche.
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5.0 von 5 Sternen
Tragik, wie sie das Leben schreibt, 11. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Verhängnis (DVD)
Meine Meinung über diesen Film ist hier bereits bestens vertreten. Hinzufügen möchte ich, dass dies einer der ganz wenigen Filme ist, die mich nachhaltig beschäftigen. Meiner Meinung nach ist nichts Verwerfliches an diesem Film. Gefühle, wie auch immer sie sein mögen, sind nicht verwerflich; gesteuerte Gedanken vielleicht, aber nicht Gefühle. Stephen Fleming ist ein Mensch. Er ist ein bedeutender Politiker, ja, aber das entbindet ihn nicht vom Mensch-Sein. Ihm passiert, was vielen vor ihm und vielen nach ihm passieren wird: er begegnet einem Menschen, der ihn fasziniert, der in ihm völlig neue Gefühle erweckt. Er ist plötzlich wieder der Mensch Stephen und nicht der funktionierende Roboter. Sein ganzes inneres Chaos zeigt sich in all seinen Handlungen, vom Augenblick des Kennenlernens bis ganz zum Schluss. Seine Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist überwältigend, selbst seine Verzweiflung über seine Gefühle. Er und nicht Anna ist der schwache Teil der Beziehung. Er fährt ihr sogar nach Paris nach und offenbart ihr, dass er "nicht weiter als bis zu ihr sehen kann". Seine Verzweiflung ist beinahe unerträglich, wie er sich in Paris auf dem Bett zusammenkauert und weint. Er macht sich Gedanken, will die Beziehung (zit.) in eine Form bringen, will sich scheiden lassen. Aber Anna will das nicht. Sie ist es, die eigentlich die Hinterhältigkeit dieser Verbindung beginnt. Sie will Stephens Sohn heiraten, damit sie mit Stephen zusammen sein kann. Als Stephen dann telefonisch Schluss macht, zwar leidet aber doch Schluss macht) ist sie es, die ihm einen Wohnungsschlüssel schickt. Hier spielen Vater und Sohn keine Rolle, das hier ist der Kampf eines Mannes um eine Frau. Anna benutzt ihn, und er leidet. Als Martyn umkommt, verlässt Anna eiskalt die Szene und lässt Stephen allein. Selbst nach Martyns Tod sucht Stephen Anna, will mit ihr zusammen sein, aber sie sieht weg. Die innere Zerrissenheit Stephens kommt am Schluss schmerzlich zur Geltung, als er von der Begegnung auf dem Flughafen erzählt, sagt, sie wäre nicht anders als alle anderen - und doch sieht er ihr Bild an, sitzt davor und leidet. In dieser Geschichte hätten alle überlebt, wenn Stephen seiner anfänglichen Eingebung Folge geleistet und sich von seiner Frau getrennt hätte. Man darf seine innere Stimme nicht ignorieren.
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