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Ein wirklich ausgesprochen guter Film, einer der besten, den ich seit langem gesehen habe - und einer mit Tiefgang! Dieser Film hätte glatt noch mehr als 5 Sterne verdient, aber leider geht das hier ja nicht :-). Ich würde auch unbedingt empfehlen, den Film auf Englisch zu genießen, denn Jim Carreys deutsche Synchro-Stimme klingt einfach zu komödienhaft und dieser Film ist wie gesagt wirklich ernsthaft und Jim Carrey hat auch eine wirklich schöne und ausdrucksstarke Stimme, die man ja auch mal gehört haben soll. Zudem ist der Film auf Englisch problemlos zu verstehen, da soooo viel gar nicht geredet wird und mehr die bestechenden Bilder ihren Zweck erfüllen. Ach, einfach selbst ansehen und genießen!!!
Den grossen Unterschied zu Kitsch und Klamauk macht hier Drehbuchautor Charlie Kaufmann, der schon so aberwitzige Geniestreiche wie Adaption und Being John Malkovich geschrieben hat.
Die Story: Mit Hilfe einer neuen Technologie kann ein Unternehmen über Nacht unangenehme Erinnerungen völlig auslöschen. Ideal für Joel, der völlig mitgenommen ist, als er erfahren musste, dass seine Freundin Clementine (eine sehr impulsives, lebhafte Frau mit ständig wechselnden Haarfarben) ihn nach viel Beziehungsstress hat löschen lassen. Während der Prozedur erlebt Joel rücklaufend zum Tag ihres Kennenlernens nochmal alle gemeinsamen Momente, die sich immer wieder auflösen. Dabei erkennt er, dass er Clementine immer noch liebt und nicht loslassen will. In Schlaf versetzt kann er den Technikern (unter anderem Elijah Wood, Kirsten Dunst und Oscarpreisträger Tom Wilkinson) kein Abbruchsignal geben. Verzweifelt versucht er nun die Erinnerungen an Clementine zu bewahren und sie an allen Orten seiner Vergangenheit zu verstecken.
Einzigartig wird die bizarre Kopfstory durch die faszinierenden Bilder für die Auflösung der Erinnerung. Auf einem Bahnhof rennt das Paar durch eine Menschenmenge, die einer nach dem anderen "weggezappt" wird, in Räumen verschwinden Einrichtungsgegenstände und Details, Gesichter verschimmen und Häuser bekommen Risse und stürzen ein. Das alles wird dabei mit einem Minimum an Computereffekten inszeniert, damit es nicht so glattproduziert und künstlich aussieht wie die letzten Effektspektal aus Hollywood.
Doch das Herzstück des Films sind die genialen Dialoge, die zudem völlig frei sind von üblichen Kitsch-Sätzen. Zwar fällt es anfangs etwas schwer sich mit dem etwas trägen Joel oder der flippigen Clementine zu identifizieren, aber spätestens wenn der Trennungsschmerz zum Thema wird finden sich viele allzu bekannte Situationen und Gefühle wieder, die hier sehr packend und einfühlsam beschrieben sind.
Natürlich heisst bizarr auch hier schwerer verdaulich als das zuckrige Hollywood-Schmonzetten-Kino, aber ein bisschen Mitdenken ist bei so einer genialen Geschichte wirklich nicht zu viel verlangt. Vor allem weil die Gefühle vor diesem Hintergrund ehrlich und anrührend statt aufgesetzt daherkommen. Auf jeden Fall ein Film, den man mir nicht mehr so leicht aus dem Hirn brennen kann.
Beim Drehbuchautor Charlie Kaufmann werde ich das Gefühl nicht los, daß die Regisseure seinem Rhythmus gehorchen. Ob Being John Malkovich oder Adaptation - es sind Filme, die genetisch miteinander verbunden sind und uns die Welt aus einem schrägen Blickwinkel präsentieren. Alles scheint möglich und dennoch vollkommen unmöglich.
Bisher waren die Innenwelten der Menschen und ihre Schwierigkeiten Kaufmanns Thema, jetzt wird der Ball den Beziehungen zugespielt. Daß dafür ausgerechnet Jim Carrey die Hauptrolle übernimmt, wird viele davon abschrecken ins Kino zu gehen. Ganz besonders nachdem es dem Verleih gelungen ist, diesem Film einen der dämlichsten Titel aller Zeiten zu verpassen. Wie jemand von dem wunderbaren Originaltitel zu Vergiß mein nicht! kommen konnte, ist nachzuvollziehen und dennoch nicht zu entschuldigen. Auch auf diese Weise kann man Regisseur Michel Gondrys zweites Werk verhunzen, das eigentlich den Stempel originellster und innovativster Film des Jahres tragen müßte.
Der Alptraum einer jeden Beziehung ist oft nicht das Zusammenbrechen derselben, sondern die Nachwehen. Wie soll man sie überstehen? Wie geht es danach weiter? Und wie zum Teufel vergesse ich einen Menschen, den ich so sehr geliebt habe?
Um diese Frage zu beantworten, benutzt dieser Film Elemente für die Spielberg viel Geld zahlen würde. Wir haben Realität gemixt mit einen Hauch Science Fiction, wir haben tiefe Gefühle, pointierten Humor und einen unglaublich kaputten Jim Carrey, der so noch nie zu sehen war. Er taumelt von einer Szene in die nächste wie ein Schlafwandler, dem heimlich LSD verabreicht wurde. Es hätte mich zwischendurch nicht gewundert, wenn er neben mir im Kino aufgetaucht und nach dem Notausgang gefragt hätte. Kate Winslet erstrahlt an seiner Seite in solch einem depressiven Licht, daß man sie in eine Decke wickeln und ihr einen Kakao machen will.
Danach habe ich mich gefragt, wie es nur sein kann, daß der Ideenreichtum nie abbricht, daß immer wieder neue Dimensionen im Film betreten werden und etwas Aufregendes daraus entsteht. Vielleicht liegt es an dem Wunsch uns Menschen besser verstehen zu wollen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, daß in diesem Fall das Drehbuch von Kaufmann mit der einmaligen Regie von Gondry einen neuen Weg weist und uns sagt, daß eine Veränderung dem Lauf der Dinge entspricht. Wir können dazulernen, wir haben die Fähigkeit zur Entwicklung in uns, wir sind wichtig. Und wer das alles erleben möchte, sollte sich von mir ins Kino schleppen lassen und diesen Film sehen.
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