Auch meine Mutter hat Alzheimer (übrigens als erste in der Familie) und auch unser Familienleben kempelte sich völlig um, und so war ich immer wieder auf der Suche nach Büchern, die uns dabei helfen konnten, das alles zu verstehen. Ich habe viele gute Bücher gefunden, aus denen wir viel entnehmen konnten, was uns dann den Alltag und das Verstehen unserer Mutter erleichterte, aber in keinem Buch habe ich mich so wiedergefunden wie in diesem.
Genau das ist es, was eine Familie erlebt, deren Mutter (oder wer immer es ist, hier sind es halt die Mütter) an Alzheimer erkrankt. Wir hatten dann allerdings das unglaubliche Glück, einen Arzt zu finden, dessen Mutter selbst an Alzheimer gestorben ist und der WUSSTE, wovon er redete, der es nicht nur gelernt hatte, sondern wirklich WUSSTE. Und wir hatten das Glück, eine Demenzwohngruppe zu finden, in der unsere Mutter leben konnte. Von daher brauchten wir dieses Hin und Her der Ärzte, von dem der Autor schreibt, nicht zu erleben.
Einmal lag unsere Mutter allerdings im Krankenhaus und es ist genau so, wie der Autor beschreibt, exakt genau so. Auch wir haben Mutter wieder mitgenommen. Ein Krankenhaus ist ein Ort für Kranke, die die Chance haben, wieder gesund zu werden. Ein Ort für Alzheimerpatienten ist es definitiv nicht.
Mich hat das Buch sehr berührt, weil es so wahr ist. Weil es so ist, wie der Autor beschreibt, weil man so fühlt, so denkt, weil man die Eltern anders kennen lernt, weil Alzheimer Dinge zutage fördert, die nicht immer nur schlecht sind.
Ein Buch über die Dinge hinter den Dingen, zwischen den Dingen. Ein Buch über das Leben, wie es ist. Es werden nicht einfach nur Abläufe beschrieben (was auch hilfreich sein kann, was tue ich wenn... und so weiter), sondern es wird das Beziehungsgeflecht der Familie angeschaut und was der Alzheimer damit macht. Ich bin froh, dass ich auch über die Alzheimer-Erkranung meiner Mutter ein Tagebuch geschrieben habe, das Buch von David Sieveking hat mich darin bestärkt, dass es richtig war, denn so kann ich die Erinnerung an meine "andere" Mutter nicht verlieren. An die Mutter, die sie auch war, die sie nur in ihrem "gesunden" Leben nicht ausgelebt hat.
Wenn man es zulässt, öffnet der Alzheimer auch Türen, die man gar nicht kannte. Und das ist das, was in dem Buch hier anders ist, es geht um diese Türen, nicht nur um Pflege oder Alltag mit Alzheimer. Auf einmal ist alles anders und der Autor beschreibt sehr einfühlsam, warum es so ist.
Ein wunderbares Buch!