Auch wenn sich die Handlung wie ein Roman liest, so ist sie doch die wahre Lebensgeschichte des jungen Sergei Kourdakov. Die Geschichte eines Waisenjungen, dem eigentlich keine rechte Chance auf seinen Lebensweg mitgegeben wird, die er aber dennoch mit Intelligenz und dem Ehrgeiz eines Besessenen nutzt. Der Heranwachsende ist aus tiefstem Herzen und vorbehaltlos von den Lehren Lenins überzeugt. Früh schon beginnt er führende Positionen auf der kommunistischen Karriereleiter zu erklimmen: Ist er anfangs nur Bandenführer in diversen Kinderheimen, so arbeitet er sich danach mit viel Fleiß zum Leiter unterschiedlicher kommunistischer Jugendorganisationen empor. Als solcher wird er bald mit besonderen Privilegien während seines Studiums zum Marineoffizier ausgestattet. Der Vorzeigefunktionär Sergei wird noch während des Studiums von der Polizei mit Geld geködert, eine Schlägertruppe aufzubauen, soll diese doch in geheimen Aktionen die „Feinde der sowjetischen Gesellschaft" bekämpfen. Zutiefst von der Wichtigkeit ihres Tuns überzeugt, schlägt die Truppe hoch motiviert auf von Spitzeln verratene, ihre Gebetsstunden im Untergrund abhaltende Christen so brutal ein, daß einige ihren Verletzungen sogar erliegen. Ihre „staatsfeindlichen Schriften", werden beschlagnahmt. Als Sergei eines Tages gelangweilt darin zu lesen beginnt, beeindrucken ihn die Bibelverse derart stark, daß sie ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen. Wie können Menschen, die diese Texte lesen, Feinde der sowjetischen Gesellschaft sein? Gepeinigt von Gewissenskonflikten beschließt er zu fliehen. Er will dem System den Rücken zu kehren, das ihn so belogen hat, und ihn zu dem machte, was er ist - ein Schläger mit zwischenzeitlich besten Offerten für eine Offizierslaufbahn bei der Polizei. Ein Buch, dessen Inhalt unter die Haut geht und das nicht nur die Handlungsweise der Geheimpolizei eines totalitären Staates beschreibt, sondern letztendlich auch die sich daraus ergebenden inneren Konflikte des Menschen Sergei. Einer, der sich in gutem Glauben das Richtige zu tun, für das Falsche mißbrauchen läßt. Es ist aber auch ein Buch, das Emotionen hervorruft. Man kommt während des Lesens nicht umhin, Sergei für sein Tun durch persönlichen Haß zu bestrafen, nur um ihn schon bald mit dem Wunsch des Gelingens seiner Flucht zu belohnen. Die Lebensgeschichte des Verfassers dieses Buches läßt aber auch Angst und Hoffnung entstehen: einerseits schildert sie die Wege der Manipulationsfähigkeit von Menschen durch Menschen ziemlich plastisch, während sie aber auch die Standhaftigkeit von tief im Glauben verwurzelten Menschen deutlich macht.