Bernhard Schlink ist einer der wichtigsten deutschen Krimiautoren. Was aber manchmal vergessen wird: Er ist gleichzeitig ein sehr begnadeter und erfolgreicher Akademiker. Der Jura-Professor aus Berlin zeigt sich in der soeben erschienen Sammlung von Essays und Vorträgen als begnadeter Denker, Staatsphilosoph und Zeitkritiker.
Als Sohn eines Theologieprofessors kam Schlink im Juni 1944 in Bielefeld auf die Welt. Erste literarische Texte schrieb er mit acht Jahren („Der Brudermord"), mit 13 folgte ein Sonett mit vielen Strophen über seine erste unglückliche Liebe. Bernhard Schlink ist sicherlich einer der zurzeit bedeutendsten deutschen Krimiautoren. Er lebte in Mannheim, Freiburg und New York. Seine Krimis waren allesamt erfolgreich. Der erste, „Selbs Justiz", den er zusammen mit Walter Popp schrieb, wurde später Verfilm. Für „die gordische Schleife" wurde Schlink 1989 den Glauser-Preis verliehen. Mit „der Vorleser" ist Schlink auf seinem bisherigen literarischen Höhepunkt angelangt. Neben diversen Preisen wurde das Werk in 35 Sprachen übersetzt und war das erste deutsche Buch, das auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times stand. Was vielen Lesern von Schlink neben dem literarischen Ruhm nicht bewusst ist: Schlink ist nicht nur ein ausgezeichneter Buchautor, sondern ein ebenso begabter, geschätzter und talentierter Akademiker.
Ein bedeutender Jurist
Schlink studierte in Heidelberg Jura, war als Wissenschaftlicher Assistent in Darmstadt, Bielefeld und Freiburg tätig. Nach seiner Promotion zum Verfassungsrecht habilitierte er 1981 zum Thema Gewaltenteilung. Anschliessend war Schlink Jura-Professor in Bonn, Frankfurt am Main und seit 1992 in Berlin. Seine Forschungs-Schwerpunkte in der Tätigkeit als Rechtsphilosoph und Staatsrechtler sind die Grundrechte, Rechtsgeschichte und das Thema Gerechtigkeit. Schlink ist auch Richter am Verfassungsgerichtshof und vertrat kürzlich die Bundesregierung bei den Klagen gegen die vorzeitige Auflösung des Bundestages.
Vielseitiges Werk
Diese Vielseitigkeit von Bernhard Schlink liegt nun in schön aufbereiteter Form im Diogenes Verlag vor. Mit seinen „Vergewisserungen" schreibt Schlink über Recht, Politik, Schreiben und Glauben. Das Werk ist eine Sammlung von Essays und Vorträgen. Von philosophischen Texten wie „Der Preis der Gerechtigkeit", über aktuelle Themen wie „Frauen und Macht" schreibt Schlink auch immer wieder über die Geschichte, wie beispielsweise im Text „Rousseau in Amerika". Schlink vereint das Intellektuelle in seinen Texten mit einer fliessenden Prosa und begründet jedes seiner Argumente sorgfältig. Das Werk ist vielfältig wie Schlinks Biographie und bietet etwas für jeden von uns: Für den Juristen, den Philosophen, den Historiker, den Denker, den Politiker und alle, die am Zeitgeschehen interessiert sind.