wäre es nicht in der Reihe "ErlebnisWandern" sondern "RealSatire" erschienen.
Die Handlung: Ein norddeutscher Reiseverkehrskaufmann, seit ein paar Jahren im Allgäu wohnhaft, beschreibt 33 stille Touren abseits des Trubels auf vergessenen Pfaden.
Folgerichtig binden schon mal zehn der Wandervorschläge die vergessenen Bergbahnbetriebe ein. Nur selten verirrt sich heute wohl noch der einsame Wanderer in die Restaurants der Gipfelstationen, um sich sodann tollkühn allein am kostenlosen Panoramaprospekt orientierend von Wegweiser zu Wegweiser zu hangeln. Der Autor möge entschuldigen, aber mich verleitet dieses Buch zu so einer zynischen Phantasie.
Als Einheimischer freue ich mich natürlich an den schönen Landschaftsaufnahmen und ganz besonders darüber, daß hier nicht tatsächlich die stillen Wege verkauft werden (siehe das ehrliche Vorwort des Autors).
Mir stehen jedoch alle Haare zu Berge, wenn der Autor hinsichtlich der Alpinen Gefahren den Eindruck vermittelt, daß Bergwandern im Allgäu mit einer "ordentlichen Ausrüstung, dem richtigen Schuhwerk, ggf. Teleskopstöcken [...] und einer vernünftigen Einschätzung, was man kann und was nicht" keine besonders riskante Angelegenheit sei. So eine Aussage in einem Wanderführer, der sich offensichtlich an Urlauber richtet, kann wohl nur schreiben, wer von sich sagen kann "Auch nach vielen Jahren im Allgäu überrascht es mich oft, wie schnell sich in den Bergen Gewitter zusammenbrauen können." und weiß, daß Steinschlag meist nur vorkommt in "Form kleinerer Steine, die [...] mit unverhältnismäßigem Lärm in die Tiefe poltern können", man fast überall Handy-Empfang habe und die Mitnahme von Grödel in Erwägung gezogen werden sollte, wenn mit der Passage verharschter Schneefelder gerechnet werden muß.
Wo solche bekannten Schneefeldpassagen sind, das hat der Autor vergessen zu erwähnen, ebenso wie wirklich einfache, klare Tipps für Menschen auf der Suche nach stillen Pfaden. (z.B. wie man bekannte Stoßzeiten vermeidet, daß waschmaschinenfeste Papiertaschentücher lange nicht verrotten oder man immer jemandem sagen sollte, welche Tour man macht und sich zurück meldet)
Ganz im Ernst: Spendet lieber 20 Euro an die Ehrenamtlichen der Bergwacht und redet mit den Allgäuern vor Ort.
Dafür verrate ich euch meinen Geheimtipp:
Fundort Natur, Natursehenswürdigkeiten im Allgäu