oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
oder
Mit kostenloser Probeteilnahme bei Amazon Prime. Melden Sie sich während des Bestellvorgangs an. Erfahren Sie mehr
Jetzt eintauschen
und EUR 1,10 Gutschein erhalten
Eintausch
Alle Angebote
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Der Artikel ist in folgender Variante leider nicht verfügbar
Keine Abbildung vorhanden für
Farbe:
Keine Abbildung vorhanden

 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Verfluchte Tage: Ein Revolutions-Tagebuch [Taschenbuch]

Iwan Bunin
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 9,95 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o
Nur noch 2 auf Lager (mehr ist unterwegs).
Verkauf und Versand durch Amazon. Geschenkverpackung verfügbar.
Lieferung bis Mittwoch, 22. Mai: Wählen Sie an der Kasse Morning-Express. Siehe Details.

Weitere Ausgaben

Amazon-Preis Neu ab Gebraucht ab
Gebundene Ausgabe EUR 19,80  
Taschenbuch EUR 9,95  

Kurzbeschreibung

12. Februar 2008
Verfluchte Tage ist kein Tagebuch im üblichen Sinne, sondern ein literarisches Werk. Iwan Bunin schrieb es unter dem unmittelbaren Eindruck der Russischen Revolution 1918/19 in Moskau und Odessa. Ereignisse, die nicht nur für sein Heimatland, sondern auch für sein persönliches Schicksal entscheidend waren und dazu führten, dass Bunin 1920 Russland für immer verließ.

Wird oft zusammen gekauft

Verfluchte Tage: Ein Revolutions-Tagebuch + Ein unbekannter Freund: Zwei Erzählungen + Das Dorf. Suchodol
Preis für alle drei: EUR 41,85

Die ausgewählten Artikel zusammen kaufen

Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch


Produktinformation

  • Taschenbuch: 272 Seiten
  • Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag; Auflage: 1 (12. Februar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 359617399X
  • ISBN-13: 978-3596173990
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 324.999 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Entdecken Sie Bücher, lesen Sie über Autoren und mehr

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Iwan Bunin, 1870 geboren, erhielt 1933 als erster Russe den Nobelpreis für Literatur. Berühmt wurde er vor allem durch seine Novellen »Der Herr aus San Francisco« (1915) und »Mitjas Liebe« (1925). 1920 emigrierte er nach Paris, wo er 1953 starb.

Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?


Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

4.2 von 5 Sternen
4.2 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
"Oh traurig, traurig ist mir! Schweres Dunkel legt sich auf den fernen Westen, das Land heiliger Wunder: Die früheren Leuchten brennen nieder und verblassen!" Dieser prophetische Ausspruch von Alejek Chomjakov, eines panslawistischen Dichters aus dem 19. Jahrhundert, kam mir in den Sinn, als ich das Revolutionstagebuch Iwan Bunins las, welches erstmals jetzt auf deutsch veröffentlicht wurde und ein schonungsloses Bild der russischen Revolution vermittelt. Bunin ist sicherlich der bekannteste der russischen Schriftsteller der russischen Emigrationswelle. Er erhielt für seine realistischen Publikationen, unter anderem seine Erzählung: "Das Dorf" von 1910, den Literaturnobelpreis 1933. Bunin entstammte einem alten Adelsgeschlecht und erlebte dessen Niedergang mit. Ähnlich wie Anton Tschechow, von dem er stark beeinflusst und freundschaftlich verbunden war, schildert er - wie Chomjakow oben - den Niedergang Rußlands. Sein Schaffen kreiste um Rußland, seine sozialen Probleme und seine landschaftliche Schönheit. Das "Dorf" war Rußland. Er lehnte die Idealisierung des russischen Bauern und Volkstums, wie es andere Schriftsteller taten, rigoros ab. Er steht immer auf der Seite der "Erniedrigten und Beleidigten". Dies wird auch in seinem Revolutionstagebuch ersichtlich, welches, wie Thomas Grob in seinem hervorragenden Nachwort erklärt, ein apokalyptisches Bild des Untergangs der russischen Kultur packend beschreibt. "Verfluchte Tage" sind mehr als ein Tagebuch. Ein solches gab es zwar, wie Grob erläutert. Es wurde jedoch von Bunin lediglich als Grundlage für die vorliegenden Aufzeichnungen verwendet. Er arbeitete neue Quellen ein und hat bis in seine letzten Lebensjahre daran gearbeitet. Wie Grob zu recht darstellt, rekonstruiert das Tagebuch das Chaos und die Unordnung der Revolution. Gerüchte aller Art ersetzen die Gewißheit über Gegenwart und Zukunft, überall wird Verfall sichtbar. Eine Szene macht dies exemplarisch deutlich. Eine Dame klagt: "Wem geht es denn besser mit den Bolschewiki? Allen geht es schlechter, und in erster Linie doch uns, dem Volk! Eine augetakelte Schlampe fiel ihr ins Wort, mischte sich naiv ein und fing an, jeden Augenblick kämen die Deutschen, und dann müssten alle dafür büßen, was sie angerichtet haben. "Ehe die Deutschen kommen, schlachten wir euch alle ab", sagte der Arbeiter kalt und ging davon."
Wolfgang Kasack hat konstatiert: "Es [das Werk: "Die verfluchten Tage", B.N.] gibt eine beklemmende Vorstellung vom Zusammenbruch Rußlands, von der Klarheit, mit der Bunin das Kommende sah, nd vom Verhalten einiger Schriftsteller unter den sich verschiebenenden Machtverhältnissen." Diesem Diktum ist nichts hinzuzufügen. Am ehesten hat mich Nina Berberovas Erzählung: "Die Damen aus Sankt Petersburg", die das Schicksal zweier Frauen auf der Flucht vor revolutionären Truppen aus St. Petersburg thematisiert, an Bunins Werk erinnert. Eine der beeindruckendsten Bücher der Gegenwart. Für mich ist Iwan Bunin sowieso einer der größten, wieder zu entdeckenden Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Ihn mit seinem Revolutionstagebuch wieder neu zu entdecken, ist ein bleibendes, wenn in diesem Fall auch bedrückendes Erlebnis, weil es zeigt, zu welcher Intoleranz und zu welchem Hass entfesselte Ideologien fähig sind. Der Feststellung von Stephan Wackwitz in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 19. Oktober 2005: "Bunins Tagebücher...können einen immunisieren gegen die Faszination, die hohe Ideen entfalten, wenn sie sich mit dem niedrigen Ressentiment verbünden und mit diesem Bündnis "ihre Zeit gekommen sehen", ist nichts hinzuzufügen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie ein tobsüchtiges Kaleidoskop auf Speed 6. Oktober 2008
Von weiser111
Format:Taschenbuch
Skeptische Tagebuchaufzeichnungen über die Oktoberrevolution und den anschließenden Bürgerkrieg sind erstaunlich selten bekanntgeworden, standen meist im Schatten berühmt gewordener Romane und Erzählungen (z.B. Bulgakows "Die weiße Garde", Pasternaks "Doktor Shiwago", Babels "Reiterarmee") oder Filme (z.B. Eisensteins "Oktober"). Iwan Bunins Revolutionstagebuch "Verfluchte Tage" erscheint sogar erst 2005 in deutscher Übersetzung, und es gehört zu den noch selteneren Werken jener, die der Revolution von Anfang an skeptisch gegenüberstanden: Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen sympathisierte Bunin in keiner Phase seines Lebens mit der Revolution -- trotz oder auch gerade wegen seiner liberalen Einstellung.

Die Revolution hatte Bunin noch in Moskau erlebt, übersiedelte 1918 aber nach Odessa, das während des Bürgerkrieges mehrmals umkämpft war, und von wo aus vor allem eine Emigration eher möglich war. Hier hält er mit wachsender Verbitterung alles fest, was er selbst beobachtet oder von anderen erfährt: Wüste Plünderungen des Mobs unter dem Deckmäntelchen der hehren Revolution; kaum vorstellbare Brutalität; Raffgier von Kriegsgewinnlern, die unter Revolutionsflagge segeln; antisemitische Auswüchse auch auf Seiten der Bolschewiki; die Hungerkatastrophe in der Ukraine; "proletarische Massen", die pogromartige Exzesse als "Revolution" zelebrieren (Tags drauf lautet die offizielle Bezeichnung "Tag des friedlichen Aufstandes") -- Bunin schreibt es auf, beschönigt nichts, entschuldigt nichts als leider pervertierte Revolutionsideale oder Kinderkrankheiten, sondern sieht die Revolution bzw. deren Protagonisten als bewusste Täter, zieht sie zur Verantwortung.

Die Aufzeichnungen vermitteln den Eindruck spontanen Erlebens, erweisen sich aber bei genauerem Lesen als exakt durchkomponiertes Werk, das wie ein tobsüchtiges Kaleidoskop auf Speed daherkommt: elende Straßenszenen vor heruntergewirtschafteter Odessaer Architektur besserer Tage; das Wüten eines rasend gewordenen Mobs; ständig wechselnde Gerüchte über die militärische Lage im Bürgerkrieg; Reflexionen darüber, wo das alles enden soll; Mitleid, Erbarmen und beißender Spott Arm in Arm. Zitate aus der offiziellen Lesart (manche davon verkünden mit stolzgeschwellter Brust unglaublichen Schwachsinn, andere bersten schier vor Zynismus) stehen unvermittelt neben realistischen Schilderungen des soeben Erlebten und Bunins persönlichen Stellungnahmen und Analysen. Man liest zahlreiche frühe Beispiele dafür, wie in Geschichtsschreibung mit zweierlei Maß gemessen wird (von wegen "unbestechliche Geschichtsschreibung"!) -- und dazwischen stehen melancholische Naturschilderungen, scheinbar von all dem unbeeindruckt und daher noch wirkungsvoller.
Aus seiner Parteilichkeit macht Bunin kein Hehl; die ein oder andere süffisante Anmerkung ist auch nicht frei vom Dünkel des Gebildeten, und dennoch sind seine "Verfluchte[n] Tage" kein Gift und Galle speiendes Pamphlet. Vieles dürfte die historischen Ereignisse sehr faktentreu wiedergeben. Eingeständnisse, dass nicht alle Bolschewisten wildgewordene Teufel waren, finden sich eher zwischen den Zeilen und in Nebensätzen. Bunin verschweigt sie nicht, gewichtet aber anders als das Gros der Zeitzeugen-Literatur und wird damit ein umso schwerwiegenderes Gegengewicht gegen etliche fast schon kanonisch gewordene Lesarten der Revolutions-Parteigänger.

Strenggenommen handelt es sich bei "Verfluchte Tage" freilich nicht um ein Tagebuch im engsten Sinne, sondern um die nachträgliche Bearbeitung damaliger Aufzeichnungen durch ihren Verfasser. Dennoch vermitteln diese Aufzeichnungen immer noch Bunins unmittelbare Eindrücke und Erlebnisse. Bezeichnenderweise wirkt "Verfluchte Tage" nirgends geglättet, macht auch nicht den Eindruck, der Autor habe sich nachträglich in ein vorteilhaftes Licht gesetzt. Zahlreiche spontane Gefühlregungen wurden nicht getilgt (es sei denn, Bunin hätte im O-Ton geflucht wie ein sternhagelvoller Bierkutscher, was ich mir aber aufgrund seiner Persönlichkeit nicht vorstellen kann).

Dorothea Trottenbergs meist sorgfältige Übersetzung wirkt lebendig, berücksichtigt auch die verschiedenen Stilebenen und Spezifika der Zitate. Verbesserungsfähig hingegen ist die mangelnde "Kooperation" zwischen Anmerkungsapparat und Namensregister. Zwar vermisst man gelegentlich Erläuterungen, und etliche Erläuterungen glänzen durch dürftigen Inhalt. Dafür ist anderes redundant und könnte gut wegfallen: Wenn im Text ein einziges Mal von einem Antiquar namens Wolnuchin die Rede ist, dann muss man den guten Mann im knapp kommentierten Namensregister nicht noch mal kommentierend als "Antiquar" bezeichnen -- leider kein Einzelfall. Dafür muss man sich bei der Suche nach wichtigen Informationen zu wichtigen Personen erst umständlich vom Namensregister zum Anmerkungsapparat hangeln. Sowas geht besser und verkauft Trottenbergs gute Arbeit unter Wert. Meist wurde nämlich gut, wenn nicht sogar vorbildlich recherchiert.
Außerdem sollte man Thomas Grobs Nachwort unbedingt lesen -- am besten vor der "eigentlichen" Lektüre, und danach noch einmal; Grob verbindet hier Bunins Biographie mit den spezifischen Merkmalen seines Revolutionstagebuchs und macht auch auf nicht sofort erkennbare Besonderheiten aufmerksam.

"Verfluchte Tage" gehört jedenfalls nicht nur zu den wenigen Augenzeugenberichten über die russische Revolution, sondern sogar zu den noch selteneren Berichten jener, die sich zu keinem Zeitpunkt mit der Revolution identifizieren konnten. Bunin steht nicht nur literarisch in der Tradition der Realisten des 19. Jahrhunderts, sondern auch protokollarisch -- ein fassungsloser Beobachter mit eigener Meinung, nicht unfehlbar, aber klug und empört reflektierend; einer, der hilflos mit anschauen muss, wie sein Land vor die Hunde geht. Das Tagebuchschreiben vermutlich als letzte Zuflucht, um nicht ganz zu verzweifeln.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie ein tobsüchtiges Kaleidoskop auf Speed 6. Oktober 2008
Von weiser111
Format:Gebundene Ausgabe
Skeptische Tagebuchaufzeichnungen über die Oktoberrevolution und den anschließenden Bürgerkrieg sind erstaunlich selten bekanntgeworden, standen meist im Schatten berühmt gewordener Romane und Erzählungen (z.B. Bulgakows "Die weiße Garde", Pasternaks "Doktor Shiwago", Babels "Reiterarmee") oder Filme (z.B. Eisensteins "Oktober"). Iwan Bunins Revolutionstagebuch "Verfluchte Tage" erscheint sogar erst 2005 in deutscher Übersetzung, und es gehört zu den noch selteneren Werken jener, die der Revolution von Anfang an skeptisch gegenüberstanden: Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen sympathisierte Bunin in keiner Phase seines Lebens mit der Revolution -- trotz oder auch gerade wegen seiner liberalen Einstellung.

Die Revolution hatte Bunin noch in Moskau erlebt, übersiedelte 1918 aber nach Odessa, das während des Bürgerkrieges mehrmals umkämpft war, und von wo aus vor allem eine Emigration eher möglich war. Hier hält er mit wachsender Verbitterung alles fest, was er selbst beobachtet oder von anderen erfährt: Wüste Plünderungen des Mobs unter dem Deckmäntelchen der hehren Revolution; kaum vorstellbare Brutalität; Raffgier von Kriegsgewinnlern, die unter Revolutionsflagge segeln; antisemitische Auswüchse auch auf Seiten der Bolschewiki; die Hungerkatastrophe in der Ukraine; "proletarische Massen", die pogromartige Exzesse als "Revolution" zelebrieren (Tags drauf lautet die offizielle Bezeichnung "Tag des friedlichen Aufstandes") -- Bunin schreibt es auf, beschönigt nichts, entschuldigt nichts als leider pervertierte Revolutionsideale oder Kinderkrankheiten, sondern sieht die Revolution bzw. deren Protagonisten als bewusste Täter, zieht sie zur Verantwortung.

Die Aufzeichnungen vermitteln den Eindruck spontanen Erlebens, erweisen sich aber bei genauerem Lesen als exakt durchkomponiertes Werk, das wie ein tobsüchtiges Kaleidoskop auf Speed daherkommt: elende Straßenszenen vor heruntergewirtschafteter Odessaer Architektur besserer Tage; das Wüten eines rasend gewordenen Mobs; ständig wechselnde Gerüchte über die militärische Lage im Bürgerkrieg; Reflexionen darüber, wo das alles enden soll; Mitleid, Erbarmen und beißender Spott Arm in Arm. Zitate aus der offiziellen Lesart (manche davon verkünden mit stolzgeschwellter Brust unglaublichen Schwachsinn, andere bersten schier vor Zynismus) stehen unvermittelt neben realistischen Schilderungen des soeben Erlebten und Bunins persönlichen Stellungnahmen und Analysen. Man liest zahlreiche frühe Beispiele dafür, wie in Geschichtsschreibung mit zweierlei Maß gemessen wird (von wegen "unbestechliche Geschichtsschreibung"!) -- und dazwischen stehen melancholische Naturschilderungen, scheinbar von all dem unbeeindruckt und daher noch wirkungsvoller.
Aus seiner Parteilichkeit macht Bunin kein Hehl; die ein oder andere süffisante Anmerkung ist auch nicht frei vom Dünkel des Gebildeten, und dennoch sind seine "Verfluchte[n] Tage" kein Gift und Galle speiendes Pamphlet. Vieles dürfte die historischen Ereignisse sehr faktentreu wiedergeben. Eingeständnisse, dass nicht alle Bolschewisten wildgewordene Teufel waren, finden sich eher zwischen den Zeilen und in Nebensätzen. Bunin verschweigt sie nicht, gewichtet aber anders als das Gros der Zeitzeugen-Literatur und wird damit ein umso schwerwiegenderes Gegengewicht gegen etliche fast schon kanonisch gewordene Lesarten der Revolutions-Parteigänger.

Strenggenommen handelt es sich bei "Verfluchte Tage" freilich nicht um ein Tagebuch im engsten Sinne, sondern um die nachträgliche Bearbeitung damaliger Aufzeichnungen durch ihren Verfasser. Dennoch vermitteln diese Aufzeichnungen immer noch Bunins unmittelbare Eindrücke und Erlebnisse. Bezeichnenderweise wirkt "Verfluchte Tage" nirgends geglättet, macht auch nicht den Eindruck, der Autor habe sich nachträglich in ein vorteilhaftes Licht gesetzt. Zahlreiche spontane Gefühlregungen wurden nicht getilgt (es sei denn, Bunin hätte im O-Ton geflucht wie ein sternhagelvoller Bierkutscher, was ich mir aber aufgrund seiner Persönlichkeit nicht vorstellen kann).

Dorothea Trottenbergs meist sorgfältige Übersetzung wirkt lebendig, berücksichtigt auch die verschiedenen Stilebenen und Spezifika der Zitate. Verbesserungsfähig hingegen ist die mangelnde "Kooperation" zwischen Anmerkungsapparat und Namensregister. Zwar vermisst man gelegentlich Erläuterungen, und etliche Erläuterungen glänzen durch dürftigen Inhalt. Dafür ist anderes redundant und könnte gut wegfallen: Wenn im Text ein einziges Mal von einem Antiquar namens Wolnuchin die Rede ist, dann muss man den guten Mann im knapp kommentierten Namensregister nicht noch mal kommentierend als "Antiquar" bezeichnen -- leider kein Einzelfall. Dafür muss man sich bei der Suche nach wichtigen Informationen zu wichtigen Personen erst umständlich vom Namensregister zum Anmerkungsapparat hangeln. Sowas geht besser und verkauft Trottenbergs gute Arbeit unter Wert. Meist wurde nämlich gut, wenn nicht sogar vorbildlich recherchiert.
Außerdem sollte man Thomas Grobs Nachwort unbedingt lesen -- am besten vor der "eigentlichen" Lektüre, und danach noch einmal; Grob verbindet hier Bunins Biographie mit den spezifischen Merkmalen seines Revolutionstagebuchs und macht auch auf nicht sofort erkennbare Besonderheiten aufmerksam.

"Verfluchte Tage" gehört jedenfalls nicht nur zu den wenigen Augenzeugenberichten über die russische Revolution, sondern sogar zu den noch selteneren Berichten jener, die sich zu keinem Zeitpunkt mit der Revolution identifizieren konnten. Bunin steht nicht nur literarisch in der Tradition der Realisten des 19. Jahrhunderts, sondern auch protokollarisch -- ein fassungsloser Beobachter mit eigener Meinung, nicht unfehlbar, aber klug und empört reflektierend; einer, der hilflos mit anschauen muss, wie sein Land vor die Hunde geht. Das Tagebuchschreiben vermutlich als letzte Zuflucht, um nicht ganz zu verzweifeln.
War diese Rezension für Sie hilfreich?

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Ihr Kommentar


Datenschutzerklärung von Amazon.de Versandbedingungen von Amazon.de Umtausch- & Rücknahme bei Amazon.de