Was macht den Wesenszug moderner Gesellschaften aus ? Nach Sennett der Verfall der öffentlichen Lebenswelt und die Tyrannei der Intimität. Seiner Auffassung nach umfasst eine res publica "allgemein die Beziehungen und das Geflecht wechselseitiger Verpflichtungen zwischen Leuten, die nicht durch Familienbande oder andere persönliche Beziehungen miteinander verknüpft sind; sie bezeichnet, das, was eine Masse, ein Volk, ein Gemeinwesen verbindet, im Unterschied zu den Familien- und Freundschaftsbanden." Sennetts These ist, dass es "die nach dem Zweiten Weltkrieg geborene Generation (war), die sich in dem Maße, wie sie sich von sexuellen Zwängen befreite, auch nach innen kehrte, und in der Epoche dieser Generation ist zur Zerstörung der öffentlichen Sphäre gekommen." Insgesamt das Ende eines lange andauernden Prozesses. Auf 590 Seiten versucht er dies sehr langatmig und geschichtsträchtig zu belegen, was den Leser voll und ganz fordert. Etwas mehr Prägnanz und Kürze hätte der Studie sehr gut getan. Bereits nach dem ersten Drittel und der vorgezogenen Lesung des Schlussteils stand mein Entschluss fest: Abbruch der Lektüre. Mag sein, dass die Fan-Gemeinde der Sennett-Anhänger und junge Studenten der Soziologie dies nicht nachvollziehen können, aber wesentliche Neuigkeiten und Gedanken konnte ich dieser Studie nicht entnehmen. Gäbe es Minus-Sterne", dieses Buch hätte einen verdient.