Kurzgeschichten sind oft eine enttäuschende Angelegenheit. Sie fangen irgendwo an und hören im Nirgendwo auf, weil junge AutorInnen es häufig als unter ihrer Würde betrachten, pointiert zu schreiben. Die Kürze des Textes veranlasst nicht unbedingt dazu, die Sprache umso dichter zu gestalten. Und die Themen ähneln sich so wie die Outfits von Jugendlichen.
Ein ganz anderes Erlebnis sind die Kurzgeschichten von Empar Moliner! Sie sind witzig, gut und dicht erzählt, überraschend, lakonisch und spannend. Ich kann gar nicht genau sagen, wieso ihr Ton sich so von dem des deutschen Fräuleinwunders unterscheidet, aber das tut er. Es ist keine gequälte tiefsinnige Pose dabei, keine gewollte Provokation oder großes Getöse mangels eigener Lebenserfahrung. Es sind satte, sehr anschauliche, scharf beobachtete, einfach gute, richtig gute Kurzgeschichten. Nicht mehr und nicht weniger. Die Geschichte "Die schlechte Qualität zeitgenössischer Poesie" z.B. habe ich gleich mehrfach kopiert und an schriftstellernde Freunde verschickt. "Wie man lernt Wein zu verkosten" endet so grandios, dass man applaudieren möchte. Überhaupt war ich bei keiner einzigen Geschichte froh, dass sie vorbei war. Ich werde jetzt als nächstes Moliners Roman lesen und "Verführung mit Aspirin" sicherlich noch einige male verschenken. Achja: für meinen Barcelona-Urlaub war es übrigens eine wirklich perfekte Leküre.