Eigentlich bin ich kein Freund der in unserer Gesellschaft vorherrschenden Superlativ-Hascherei. Aber an dieser Stelle muss es doch mal sein: "Vereint durch die Macht" ("The Unifying Force") ist einer der bombastischsten, actiongeladensten und ereignisreichsten Star Wars Romane im ganzen Erweiterten Universum. James Luceno gelang es der Reihe das Finale zu geben, das es verdient. Die kleinen Schwächen des Buches verschwinden in der spannenden, dichten Atmosphäre wie Butter in der Sonne.
Der Autor:
Der 1947 in den USA geborene James Luceno schließt die Reihe nicht von ungefähr ab. Er gehörte zu den Planern der Serie und brachte bereits die "Agents of Chaos"-Duologie mit ein. Äußerst erfolgreich waren seine im Rahmen von Episode III erschienenen Romane "Labyrinth des Bösen" und "Dunkler Lord - Der Aufstieg des Darth Vader". Nachdem sein geplanter Darth Plagueis-Roman nicht veröffenlicht wurde, erschien jüngst "Millennium Falke". Er zeigte auch interesse an einem Roman zu Qui-Gon Jinn und war an mehreren Referenzbüchern beteiligt.
Zur Reihe im Allgemeinen:
Die "Das Erbe der Jedi-Ritter"-Reihe ("The New Jedi Order") ist mit 19 Romanen (ca.8200 Seiten) und einigen Nebenpublikationen die längste im gesamten Erweiterten Universum. Und sie hatte es (zumindest bei mir) von Anfang an nicht leicht: Außergalaktische Invasoren (?), na gut, auf diese Idee hatte ich schon lange gewartet, aber Ideen wie die eines lebenden Planeten (ursprünglich in "Planet der Verräter" eingeführt) oder einer Technologie, die nur auf Lebensformen basiert, geschweigedenn die einer Spezies, die nicht in der Macht existiert rückten für mich doch recht weit vom sonst gewohnten Realismus des Star Wars Universums ab.
Aber seit ich bei Band acht in die Serie eingestiegen bin, habe ich diese Scheu dank einiger wirklich gelungener Bücher abgelegt. Alles in allem befassten sich nun insgesamt 13 Autoren mit der Reihe: einige Altmeister wie Michael Stackpole und Aaron Alston, aber auch viele Novizen wie James Luceno, Troy Denning (bitte um Korrektur falls das nicht stimmt), Greg Keyes und Matthew Stover. Nach den gelungenen, aber nicht überragenden Bänden acht und neun ("Die Verheissung", "Das Ultimatum") war ich von Band zehn ("Jainas Flucht") doch eher enttäuscht. Doch dann folgten die geniale "Enemy Lines"-Duologie ("Rebllenträume", "Austand der Rebellen") von Aaron Allston und der philosophische dreizehnte Band ("Verräter") von Matthew Stover. Auch Walter Jon Wiliams Einstand ("Wege des Schicksals") war sehr gelungen und brachte eine Wendung der Ereignisse. Dann folgte die eher durchschnittliche "Force Heretic"-Trilogie ("Die Ruinen von Coruscant", "Der verschollene Planet", "Wider alle Hoffnung") und das widerum sehr gelungene Vorfinale ("Die letze Prophezeiung") von Greg Keyes (Das sind meine bescheidenen, subjektiven Meinungen, denen niemand zustimmen muss).
Und nun schloss also James Luceno die Serie ab. Und das ist meiner Meinung nach auch gut so, denn nach vier (oder fünf?) Jahren des Krieges war ich das ewige Kämpfen und die vielen Tode (Anakin und vorallem Chewbacca) leid. Die Serie konnte wohl ohnehin nicht mehr viel Neues bringen und schließlich soll man ja aufhören wenn es am Schönsten ist. Das die Gesamtbilanz positiv ist, obwohl etwa Altmeister Timothy Zahn die Reihe als zu dunkel abtat, verdanken die Schöpfer der Reihe von Lucas Liscensing und Del Rey dem großen Zuspruch der Fans.
Zum Inhalt von "Vereint durch die Macht":
Vier Jahre nach Beginn der Yuuzhan Vong-Invasion erreicht der Krieg seinen Höhepunkt:
Auf dem Planeten Selvaris werden den Gefangenen eines Gefangenenlagers, unter ihnen Judder Page und Pash Cracken, Informationen übergeben, die für das Oberkommando der Galaktischen Allianz und den weiteren Verlauf des Krieges von entscheidender Bedeutung seien könnten. Die Gefangenen inszenieren daraufhin eine riskante Flucht und der geflohene Informant wird von Han und Leia im Millennium Falken aufgelesen. Diese bringen ihn nach Contruum am Mittleren Rand, wo die Informationen ausgewertet werden. Auf dieser Grundlage wird ein waghalsiger Plan ersonnen, der dem Krieg ein Ende machen soll. Doch zunächst nehmen der Falke, Jainas Zwillingssonnen und einige Andere einen Yuuzhan Vong-Konvoi ins Visier, der die Gefangenen von Selvaris nach Yuuzhan'tar transportieren soll, damit sie dort geopfert werden...
Unterdessen befindet sich die Gruppe von Luke immer noch auf Zonama Sekot. Der lebende Planet springt nach Nom Anors Sabotage scheinbar planlos durch den Hyperraum und die Oberfläche wird von Unwettern und Waldbränden erschüttert. Auch einen totgeglaubten Freund (oder Feind?) trifft die Gruppe wieder, als sich Sekot auf Lukes Vorschlag hin zu einem riskanten Schritt entscheidet...
Doch auch die Yuuzhan Vong sind selbstverständlich nicht untätig. Während Kriegsmeister Nas Choka seine Armada für eine gigantische Entscheidungsschlacht rüstet, erfährt der von Zonama Sekot zurückgekehrte Nom Anor eine Beförderung, die ihn zwingt sich für eine seiner beiden Identitäten (Präfekt von Yuuzhan'tar oder Yu'Shaa der Prophet) zu entscheiden. Doch ein viel größeres Geheimnis hüten der Höchste Oberlord Shimrra und sein Vertrauter, der Beschämte Onimi...
Kritik am Abschlussband:
Der Plot ist hochspannend und hält einige überraschende Wendungen für den Leser bereit. Trotzdem lag das Grundproblem der Handlung von Anfang an auf der Hand: Ein Genozid an den Yuuzhan Vong hätte eine ganze Generation von Helden denunziert und eine simple Aufgabe der Yuuzhan Vong oder ähnliches hätte der Ideologie der Yuuzhan Vong widersprochen. James Lucenos (die ich hier nicht vorwegnehmen will) ist zwar nicht unbedingt elegant aber immerhin einigermaßen logisch. Die dichte, teilweise recht düstere Atmosphäre erzeugt eine "elektrisierende Spannung" (Zitat von Mario Pf.) und der Plot selbst weist nur sehr wenige Längen auf - und das trotz einer Länge von 685 Seiten. Auch das Gleichgewicht zwischen einem ereignisreichen und einem überladenen Plot hat der Autor meistens gefunden.
Lucenos Charakterzeichnung ist äußerst klar, wenngleich sich die Hauptfiguren erst im letzten Drittel des Buches wirklich weiterentwickelt. Dabei hatte ich das Gefühl, dass der Autor ein wenig pathetischer schreibt als seine Vorgänger, was vielleicht der Tatsache geschuldet ist, dass er an ihrer Entwicklung im Laufe der Serie maßgeblich beteiligt war. Doch dieser Pathos tut der Emotionalität des Buches keinen Abbruch. Und so überzeugte mich dann auch vorallem der letzte Teil, nachdem die große Entscheidungsschlacht geschlagen ist, indem ein Resumeé des Krieges gezogen wird, ein Ausblick auf die Zukunft gegeben wird und auch kleiner nostalgischer Blick zurückgeworfen wird. Die Dialoge sind über weite Strecken eher zweckdienlich und glänzen eher selten (aber manchmal eben doch) mit Besonderheiten. Zuletzt überzeugt "Vereint durch die Macht" auch noch durch einige witzige Stellen, die oftmals mit einem nostalgischen Schmunzeln zu genießen sind.
Die letzten 30 Seiten des Buches sind dann noch einem "Round-Table-Gespräch" mit James Luceno und Vertretern von Del Rey und Lucasfilm gewidmet. Auch diese Ergänzung ist sehr gelungen und offenbart einige interessante Erkentnisse über die Entstehung der Serie und die Reaktionen der Fans (wobei ich mich, kleinlich wie ich manchmal bin, an der Abkürzung SS für Shelly Shapirogestoßen habe und sich hier und da auch einige andere Ungereimtheiten ergeben haben).
Fazit:
Ein begeisterndes, pompöses Finale von einem der besten Star Wars-Autoren überhaupt. Ein spannender Plot, Action bis zum Abwinken, gelungene Dialoge und ein wenig Melancholie: Eine Pflichtlektüre für alle Fans der Reihe und allen Star Wars-Fans mit etwas Vorkenntnissen unbedingt zu empfehlen.