Als in Massachusetts um 1850 die Schulpflicht eingeführt wurde, traf sie auf starken Widerstand in der Bevölkerung. Rund 80 Prozent der Einwohner waren dagegen. In einem letzten Dorf der Unbeugsamen musste sogar Militär eingesetzt werden, das die Kinder zur Schule eskortierte. Vor der Einführung der Schulpflicht lag die Alphabetisierungsquote in den USA bei 98 Prozent, eine Quote die in den Jahren seitdem nie wieder erreicht wurde.
Der bekannte Schulkritiker und Lehrer John Taylor Gatto benennt als die wirklichen Lehren der Schule sieben Lektionen: Verwirrung des Schülers, Wecken von Klassenbewusstsein, Erziehung zur Gleichgültigkeit, Herstellung intellektueller und emotionaler Abhängigkeit, Schwächung des Selbstbewusstseins und Gewöhnung an dauernde Überwachung. Die Schule verdamme die meisten Menschen zu niederen Bausteinen in einem pyramidalen Gesellschaftsmodell. In Kollaboration mit dem Fernsehen werde den Kindern durch Beschulung die Zeit gestohlen, die sie zur Ausbildung einer einzigartigen Persönlichkeit benötigten, wodurch ein Erwachsenwerden verhindert werde. Die Schule habe den "Lehrplan Familie" mit den Bestandteilen Privatheit, Unabhängigkeit und sozialem Leben ersetzt. An dessen Stelle sei die Fabrikschule getreten, ein Gefängnis für Kinderseelen, das soziale Beziehungen zu Netzwerken fragmentiere und das man nicht überstehe, ohne Schaden zu nehmen.
Es ist gut, dass Gattos "Dumbing Us Down" nun in einer Übersetzung von Dagmar Neubronner vorliegt. Immer noch glauben zu viele Menschen, zu viele Liberale an die heilsame Wirkung und unverzichtbare Notwendigkeit von Beschulung. Die Schule teilt das Schicksal des Staats, der sie entworfen hat: Sie dient sich selbst, nicht der ihr zugeschriebenen Aufgabe. Es wird Zeit, die zerstörerischen Auswirkungen von Beschulung sichtbar zu machen. Gattos Werk ist deshalb eine große Verbreitung zu wünschen.