Dies schreibt Tobias Grüterich, Jahrgang 78, ziemlich unverfroren und voller Ernst. Genau das macht seinen Humor aus. (Homer ist, wenn man trotzdem liest.). Seine " Verdienten Ungerechtigkeiten" , so der Titel, der in der Edition Azur erschienenen 101 Aphorismen, weisen ihn als Kenner und Wortschöpfer empfindlichster deutscher Sprache aus. Wer kommt schon darauf, einfach zu schreiben: Lass dich von der Aussichtslosigkeit nicht blenden...?. Sollte noch jemand glauben, Aphorismen stellten den Zeitgeist im Einklang mit der Wahrheit dar, könnte fast recht haben. So lapidar, übrigens eine Grundvoraussetzung für Aphorismen, hat sich selten jemand gezeigt. Grüterich lässt die Sprache üben: Die meisten sind in der Minderheit.Die auf zwanzig Seiten versammelten Gedanken, scheinen schon eine Vorbereitung auf ein größeres Werk zu sein. Man könnte es fast einen Trailer nennen. Nach zwei Tagen Gebrauch fanden sich im meinem Exemplar Eselsohren und Fettflecke. Was für ein Kompliment für Literatur.