Wenn man sich eine Einspielung von Verdis Oper Die sizilianische Vesper zulegen will, hat man nicht viel Auswahl. Der alte Livemitschnitt unter Erich Kleiber ist aufgrund der schlechten Tonqualität eigentlich nur als Rollendokumentation von Maria Callas von Interesse. Der neuere Mitschnitt unter Riccardo Muti aus der Mailänder Scala ist wegen der mangelnden Sängerleistungen nicht empfehlenswert. Am Ende blieb einem bis vor kurzem eigentlich nur die Studioeinspielung unter James Levine, mit Placido Domingo, Ruggero Raimondi und Martina Arroyo erstklassig besetzt. In einem Punkt ist diese Aufnahme allerdings so unbefriedigend wie die zuvor genannten: sie ist auf Italienisch. Die sizilianische Vesper war aber ein Auftragswerk für Paris und heißt im Original Les vepres Siciliennes. Die italienische Version I vespri Siciliani ist also eine Übersetzung. Und eine schlechte dazu: das feine Pathos des französischen Originals wurde in der italienischen Fassung durch einen plakativ-pathetischen Gestus ersetzt. Lange Zeit konnte sich der Opernfreund von der originalen Gestalt der Oper kein Bild machen: international wird bis heute an den Opernhäusern fast ausschließlich die italiensische Übersetzung gespielt. Jetzt kann man sich dank Opera Rara aber zumindest die Oper auf CD im Original anhören. Diese Aufnahme mit dem Orchester der BBC und weitgehend unbekannten, aber hervorragenden Sängern, ist in allen Belangen empfehlenswert. Das booklet gibt einem zudem einen umfassenden Blick auf die Entstehungsgeschichte des Werkes.