Rein musikalisch ist diese Interpretation von Verdis Werk eine Meisterleistung. Ricardo Chailly führt die Winer Philharmoniker und die Sänger zu einem sich gefühlsvoll ergänzendem farbigen Strauss. Edita Gruberova glänzt mit stimmlicher Reinheit und Präzision, auch in dem von Chailly eher schnellen Tempo, dass er in "Caro Nome" anschlägt. Pavarotti wie immer unverwechselbar und nicht zu tadeln. Ingvar Wixell braucht sich neben dem Divo Pavarotti nicht zu verstecken, bringt Rigolettos Drama und Trauer kraftvoll in seinen Gesang.
Szenisch und Darstellerisch kommt diese Inszenierung nur geringfügig schlechter weg. Rigolettos Leiden in Sorge um seine Tochter, seiner Schmach als Krüppel am Hof und die Angst vor dem Fluch des Monterone mimt Ingvar Wixell auf wahrlich beeindruckende Art und Weise und ist deswegen alleine den Film wert. Pavarotti überraschend charmant und jugendlich verspielt weiss ebenfalls zu gefallen. Dann ist da Gilda, die arme Gruberova mit einem entsetzlichen Haarsturm verunstaltet, gibt sich sichtlich Mühe und überzeugt hauptsächlich im dritten Akt. Die Frage nach dem passenden Aussehen für die Gilda stellt sich auf der Bühne grundsätzlich weniger, weil in der Oper natürlich viel mehr mit Ausstrahlung gearbeited wird. In einer Verfilmung aber kann sie durchaus als störend empfunden werden, obwohl sie prinzipiell dem Schönheitsideal der Epoche, in der die Inszenierung angesiedelt ist, entspricht,. Es ist also jedem Zuschauer einzeln überlassen.
In den nebenrollen glänzt einerseits Victoria Vergara als Maddalena (gasanglich und umso mehr darstellerisch als kokette Mördersschwester), sowie die grosse Mezzosopranistin Feodora Barbieri, die in ihrer Glanzzeit - oft neben Maria Callas - zu den grössten Sternen am Opernhimmel zählte. Letztere beweist ihr komödiantisches Talent als Giovanna