Wieder ein Macbeth, der nicht alle Wünsche erfüllt. Regisseurin Liliana Cavani hat die Handlung der Oper in das England zur Zeit Shakespeares verlegt. Das Bühnenbild erinnert an direkt an den Shakespeare Globe. In den Rängen sitzt die ganze Zeit eine Gesellschaft im Kleidungsstil der vierziger/ fünfziger Jahre. So sind die Protagonisten nie allein auf der Bühne. Die Idee, Shakespeares eigenen Aufführungspraxis auf der Bühne zu etablieren ist sicher interessant, allzu oft sind die Kostüme und Bühnenbilder aber nicht der düsteren Stimmung des Stückes angemessen. Besonders in den Hexenszenen glaubt man sich eher an die Lustigen Weiber von Windsor" erinnert. Das im dritten Akt das oft gestrichene Ballett gegeben wird, ist zwar löblich, trägt aber wenig zur Handlung bei.
Dabei gelingen einige Szenen, wie etwa die Klage für den toten Duncan, den man blutüberströmt auf die Bühne trägt, das La luce langue" der Lady, zu dem Macbeth sich ängstlich in ihren Armen wiegt oder die Arie O figli miei" Macduffs, der die toten Kinder vor sich aufgebahrt sieht, gut. Besonders überzeugend ist der Wahnsinn der Lady und Macbeth Todessehnsucht, wenn er nach der großen Arie zu vollkommener Stille die Königsinsignien ablegt. Dennoch behält man immer den Eindruck der Unstimmigkeit.
Stimmlich wie schauspielerisch ist Leo Nucci als Macbeth sicher eine gute Wahl. Die Lady Sylvie Valayres ist schauspielerisch oft noch zu lieb, eher lächelnd denn kalt; stimmlich bewältigt sie die Partie problemlos. Mit den anderen Sängern nehmen die Leistungen ab. Enrico Ioris Banquo ist sicher gutes Mittelmaß, Roberto Iulianos Macduff hätte man sich heldischer gewünscht. Bruno Bartoletti entlockt der Partitur die nötige Schwungkraft, setzt aber wenig neue Akzente.
Alles in allem hat mich die Videoaufzeichnung Macbeth" mit Leo Nucci und Shirley Verrett mehr überzeugt.