La Traviata ist das wohl beliebteste Werk von Giuseppe Verdi. Es gibt hunderte von guten Interpreten, doch ich persönlich würde immer zu dieser Aufnahme greifen. Nicht nur die Darsteller von Weltrang, sondern auch hervorragende Tonqualität und ein mitreißendes Orchester-Ensemble machen diese Aufnahme zu einer der besten überhaupt.
Lucia Aliberti ist eine grandiose Violetta. Der zarte Klang und der schmelzende Ton ihrer Stimme sind ideale Vorraussetzungen für eine außerordentlich gut gelungene Charakterdarstellung. Schon beim berühmten Trinklied entfalten sich ihre enorme Darstellungsgabe und ihre Stimmgewalt, der niemand wiederstehen kann. Ihre große Arie am Ende des ersten Aktes tut sein übriges.
Ich habe "E'strano" nie zuvor so virtuos und strahlend gehört.
Die Koloraturen sind beschwingt und leicht, als würden die Triller und Koloraturläufe ihr nicht die geringsten Probleme bereiten. Zum Ende dieser Arie brilliert die Aliberti mit einem strahlenden dreigestrichenem "es". Die Stimme an sich klingt jugendlich, frisch und dramatisch. Ganz besonders fällt dies auch im letzten Akt dieses Meisterwerkes auf. "Addio del passato" heißt eine der berühmtesten Arien der Operngeschichte. Aliberti interpretiert diese Arie dermaßen anrührend und herzzerreißend, daß selbst ein gefühlskalter Mensch um das Schicksal der Traviata weinen muß. Das Finale dieser Oper ist für den Sopran noch einmal eine gute Gelegenheit alle stimmlichen Mittel unter Beweis zu stellen. Genau das tut Aliberti hier. Sie legt noch einmal alle Kraft ihrer göttlichen Stimme in die letzten Takte dieser Oper. Ihr ist hier ein wirklich beeindruckendes Charakterportrait gelungen.
Peter Dvorsky singt in dieser Einspielung die Rolle des Alfredo. Auch er ist ein begnadeter Sänger und ein hervorragender Darsteller. Er hat weder Probleme mit den hohen Stellen, noch mit der dramatischen Darstellung seines Charakters. Die Auftrittsarie des zweiten Aktes "Lunge de lei per me" ist ihm besonders gut gelungen. Hier hat er Gelegenheit alle Vorzüge seiner Stimme zu präsentieren. Auch das herrliche Duett mit Violetta ist umwerfend. "Parigi, o cara" ist besonders gefühlsbetont gesungen. Dvorsky holt hier die Sterne vom Himmel und liefert eine mehr als solide Darstellung ab.
Auch Peter Dvorsky legt sich im Finale der Oper noch einmal richtig ins Zeug. Er ist für den Alfredo die absolute Idealbesetzung und kann meiner Meinung nach durchaus mit Pavarotti und Domingo mithalten.
Giorgio Germont wird hier von dem begnadeten Renato Bruson gesungen. Er ist nicht nur ein grandioser Künstler, sondern auch einer der besten Darsteller dieser Rolle. Seine Stimme ist zart und seine Diktion ist klar. Er hat sich eine sehr gute Gesangstechnik angeeignet, mit der er selbst die schwierigsten Passagen und Arien meistert. Seine Leistung ist wirklich bewundernswert. Die große Szene zwischen Giorgio Germont und Violetta ( Lucia Aliberti ) ist grandios. "Madamigella Valéry?" heißt das große Duett, in dem Brusons Darstellungsgabe und seine gewaltige Stimme besonders auffallen. Aber auch die berühmte Arie "Di Provenza il mar" ist einmalig gesungen und interpretiert. Auch er ist für mich eine der wenigen Idealbesetzungen für diese Rolle. Der Rest der Darsteller ist mittelmäßig. Aber sie fallen ja auch nicht besonders ins Gewicht. Shigeru Sawa, welche die Rolle der Annina singt, legt zwar eine solide Leistung ab, aber ihre Stimme ist nicht sonderlich interessant.
Der Fujiwara Opera Chorus und das Tokyo Philharmonic Orchestra machen ihre Sache sehr gut. Sowohl der Chor, als auch das Orchester reißen den Hörer regelrecht mit. Am Pult steht hier Roberto Paternostro. Er mag eventuell nicht jedem bekannt sein. Dies sollte niemanden scheuen, denn ich habe selten Aufnahmen mit einem solch mitreißendem Dirigat erlebt.
Ich würde ihnen raten, bei dieser Aufnahme schleunigst zuzugreifen.