Die Produktion der Mailänder Scala aus dem Jahre 2007 bietet ein Fest für Augen und Ohren.
Die von Dante Ferretti entworfene Ausstattung ist traumhaft, die wundervollen Kostüme von Gabriella Pescucci sind eine Augenweide.
Angela Gheorghiu überzeugt auch heute noch als Violetta, 14 Jahre nach ihrem sensationellem "Traviata-Debut" am Royal Opera House Covent Garden unter der Leitung von Sir Georg Solti, nicht nur mit den Attributen einer schönen Frau und verhaltenem Spiel, nein, die Gheorghiu bringt auch vokal viel Timbre und sehr schönen Körperklang ein. Sie darf zu Recht als ein Glücksfall und ideale Rollenvertreterin bezeichnet werden. Vergeßt die Netrebko.
Den schwärmerischen Alfredo verkörpert Ramon Vargas glaubhaft, wie ihm auch der Wandel zum gekränkten und eifersüchtigem Liebhaber gelingt. Vokal bringt er sein schönes, makelloses Timbre bestens ein.
Einziger Totalausfall (dennoch spreche ich eine Kaufempfehlung aus) ist Roberto Frontali als Vater Germont, da er die Reste seines wenig erfreulichen Stimmaterials einsammelt. Schade.
Die kleineren Partien sind mit Ausnahme von Natascha Petrinsky als Flora (unschöne Vokalverhärtungen) "Scala-angemessen" besetzt; der Chor singt prägnant und zeichnet sich überdies durch erstaunliche Spielfreude aus.
Lorin Maazel am Pult des Scala-Orchesters musiziert flott und plastisch - ein Genuss der Sonderklasse.
Ich lege trotz meiner Einschränkung allen Liebhabern authentischer Opern-Aufführungen diese DVD anŽs Herz, allein schon wegen Gheorghiu, Vargas, des grandios spielenden Orchesters unter Maazel und der traumhaften Ausstattung!