Karajan hatte mit den Berliner Philharmonikern ein erstklassiges Orchester zur Verfügung und konnte damit entsprechende Opernproduktionen durchführen, die er meist bei den Salzburger Osternfestsspielen dem Publikum vorstellte.
Er hat damit einige Verdi-Opern realisiert, so eben auch diesen Othello aus dem siebziger Jahren.
Ihm standen immer grossartige Sänger zur Verfügung . Bevor Domingo diese Rolle praktisch dominierte, war Vickers ein allgemein anerkannter Othello.
Sängerisch bleibt er dieser Rolle nicht schuldig. Über sein Spiel kann man geteilter Meinung sein. Sein Augenrollen wirkt für mich aufgesetzt.
Die Leidenschaft glaube ich ihm nicht.
Ihm gleichwertig Mirella Freni, mit der Karajan auch öfters und lange gearbeitet hat. Naiv und edel, das ist eine Rolle, die der Freni auf den Leib geschneidert war. Sie war über lange Zeit DIE Mimi. Eine wunderbar lyrische Stimme. Auch optisch passt sie zur Figur der Desdemona- ein Engel, dem Unrecht geschieht.
Interessant der Sänger des Jago, Peter Glossop, dieser Tage im achtzigsten Lebensjahr verstorben. Er sieht gar nicht wie ein Bösewicht aus. Genau das prädestiniert ihn für diese Rolle. Jago, der perfekte Versteller. Stimmlich vielleicht nicht ganz das Format grosser italienischer Baritone, aber dennoch ein sehr stimmiges Porträt.
Orchester und Sänger gehören eindeutig zur Habenseite dieser Aufnahme.
Leider inscenierte Karajan auch.In diesem Bereich erreichte er sicher nicht das Niveau, das er als Musiker hatte. Mehr als Konventionelles kam da nicht heraus. Was diese Aufnahme ein schwer ansehbar macht, ist das Bühnenbild. Das ist so typisch Kulissenfernsehen, das man wegschauen möchte. Überhaupt kein Vergleich mit der Verfilmung von Zefirelli. Dieser ist zeitlos, die Inscenierung von Karajan zeitgebunden. Als wenn Menschen in der Mode der siebziger Jahre auftauchten und heute dadurch deutlich machen, es ist veraltet.
In diesem Fall muss man eher die Empfehlung aussprechen, diese Version besser nur zu hören- es gibt sie ja als CD. Das Sehen ist kein weiterer Genuss, sondern eher ein Punkt der Kritik.
Von den Verdi-Produktionen Karajans, die ich kenne ( Falstaff und Don Carlos) optisch die schwächste.