Dieser Otello ist ein Erlebnis der Sonderklasse durch und durch. Die Inszenierung von Willy Decker entscheidet sich für ein sehr gefährliches Spiel mit einer langen Reihe verschiedener Symbole - Bilder, Figuren, Farben, Gesten, Äußerungen - das aber sich doch als ganz erfolgreich zum Schluss ergibt. Vor allem im letzten Akt schafft er eine sehr packende Lesung seines Noten- und Textmaterials. Cura gehört heutzutage zu den führenden Interpreten der Rolle weltweit und hier enttäuscht er auch nicht. Seine Darstellung des psychisch unstabilen, erfolg besessenen, eifersüchtigen und selbst unsicheren Kriegers ist äußerst bewegend und realistisch, wozu auch seine musterhafte Stimmführung beiträgt. Der große Star hier ist allerdings die Desdemona von Krassimira Stoyanova. Sie beginnt die Aufführung eher bescheiden, doch erreicht in den letzten zwei Akten eine der bemerkenswerten Interpretationen dieser Parade-Rolle aus dem Lirico-Fach. Das Weiden-Lied und die Ave Maria sind zweifelsohne der Höhepunkt dieses Mittschnittes, der wirklich zu empfhelen ist. Attanelli's Jago kann gerade mal mit dem hohen Niveau der anderen Sänger mithalten, doch mangelt es ihm manchmal an I spiration und Dramatik.