Wenn man so ein Schauerstück wie Macbeth auf die Bühne stellt, sollte man vermeiden, durch irgendwelche Albernheiten (ich meine die Hexen und ihre "Beschäftigungen") die Wucht des Stückes abzuschwächen. Es ist schade, dass die Hexenszenen durch das Lackieren von Nägeln, Kaffeetrinken, mit Hula-Hop-Reifen spielen und anderen Blödsinn ihre ganze Unheimlichkeit verliert. Es ist auch deshalb schade, weil hier Pountny ein sehr gutes Konzept hatte: er hat die psychologische Seite herausgearbeitet. Und die Hexen hätten in diesem Konzept eine große Rolle spielen können, hätten sie wirkliche Hexen sein können, da ihnen Macbeth bedingungslos glaubt. Musikalisch und darstellerisch ist diese Inszenierung Wahnsinn.
Thomas Hampson spielt den Macbeth als den seiner machtbesessenen Frau hörigen Mann, der für ihre Liebe mordet. Glaubwürdig stellt er sein Flehen um ihre Liebe, um Erfüllung dar, welche er nur erhält, wenn er sich ihren Wünschen unterordnet. Und er wird sehr oft von ihr zurückgewiesen. Und er singt und spielt ihn nicht nur als machthungrige Bestie, sondern er zeigt auch seine innere Zerrissenheit, seine Ängste.
Paoletta Maroccu stellt die machthungrige Lady Macbeth, welcher ihr Mann völlig gleichgültig ist, überzeugend dar. Für sie ist er nur das Instrument,mit welchem sie an die Macht kommen will. Deutlich zeigt sie, wie sie ihre Macht über ihn ausübt, wie sie ihn mit ihrem Hohn erniedrigt und ihn auch körperlich zurückstößt, wenn er sich ihr nähern will. Sie beherrscht ihn und bringt ihn dazu, immer neue Morde zu begehen.
Erschütternd Hampsons Darstellung der Reue nach dem Mord an Dancun, seine Angst, sein Entsetzen, als er als einziger den Geist des ermordeten Banqo sieht. Die emotionalste Szene der Oper ist die im ersten Akt, als der ermordete König gefunden und auf die Bühne getragen wird. Erschütternd Thomas Hampsons Darstellung, als sein Macbeth den toten König in die Arme gelegt bekommt, sich der Tote im zuneigt und er unter dieser Last und der Last seines Verbrechens in die Kniee sinkt. Diese Reue verschwindet unter dem Einfluss seiner Frau sehr schnell und er ist sehr schnell dabei, als sie ihn auf die Ermordung Banqos einschwört.
Berührend ist seine Arie "Pietà, Rispetto, Amore...". In der zweiten Hexenszene, in welcher Macbeth die Nachkommen Banqos als Könige sieht, gibt sich Hampson völlig aus.
Bis auf die beiden Hexenszenen und eine grüne Reiseschreibmaschine (nur der Regisseur weiss, wozu sie auf der Bühne ist) ist es eine moderne, aber klare Inszenierung, die das Werk unangetastet lässt. Nur das schottisch-schaurige ist leider verloren gegangen. Die Inszenierung ist straff und spannend und die Rollen sind top besetzt.
Da die Dramatik durch die Musik Verdis verstärkt wird, ziehe ich die Oper dem Stück vor. Und besser kann man Mabeth nicht darstellen, als es Thomas Hampson schafft. Bravo!
Eine sehr empfehlenswerte Aufführung!