Es gibt Opernstoffe die ob ihrer gesellschaftlichen Postion, oder weil es Heute diese Form so nicht gibt, sich schwierig in die Neuzeit transportieren Lassen.Die Grenzen sind Heute verwischt, die 'Kasten' nicht mehr so Präsent.
Die Traviata wurde von Verdi gewollt - weil sein damaliges Privatleben, er lebte in wilder Ehe, von dem Konfessionellem Teil der damaligen Gesellschaft offiziell missachtet wurde.
Ausserdem störten ihn die Scheinheiligkeit der 'Offiziellen Meinung' die sich gerade in seiner Zeit aber auch gerne Prostituierte, Waren doch die Kurtisanen zwar als solche angesehene - aber ein wichtiger Gesellschaftlicher Faktor in den höheren Kreisen.
Eine Kurtisane (Prostituierte) die ein elegantes Bordell führte gehörte eben zur Feinen Welt, die Kaste nützte sie gerne als wichtige Politische und Wirtschaftliche Verbindung - Verlogen - eben.
Diese Oper war für Ihre Zeit, ob des Stoffes - ein moderner heroischer Versuch Verdi, seine Mitmenschen aufzurütteln, ihnen ihre eigenen Unzulänglichkeiten aufzuzeigen. Dies wurde natürlich von der feinen Besten Gesellschaft die sich dafür hielt, mit Aufschreien bedacht. Im verborgenen lebte es sich aber ungeniert.....
Heute gibt es immer noch Frauen die diese Beruf ausführen , aber es gibt diese gegliederte Gesellschaft nicht mehr, aber
bis in die Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts war die Gesellschaft aber noch so gestaltet.
So ist dies der Ansatz für Pizzi sein Konzept- für mich der einzige - gelungene- mögliche.
Die mittig geteilte Bühne zeigt uns ein aufgeschnittenes Pariser Bordell unter Deutscher Besatzung um 1940.
Hier im feinen Salon im elegantem Stile der Dreissiger und dem angrenzendem Schlafzimmer spielt sich der erste gesellschaftliche Teil ab, was eine Parallelität des Geschehens ermöglicht.
Im 2 Akt sind wir im Loft von Vioeletta - Der 3 Akt führt uns in den Reich dekorierten Salon von Flora.
Im 4 Akt erkennen wir Violettas Misere, die Karge dunkle Deko kennt nur das Licht das aus dem Badezimmer Kommt und Violetta schleppt sich zu ihrem Bett um zu Sterben.
Es gibt auch interessanes zu entdecken, Jesusu Lopez Coboz hat einige Striche aufgemacht - und so hören wir auch seltenes. Zum Beispiel Violetta im ersten Akt, oder 'Addio del Passato' in längerer form oder die üblichen Schnitte des Baritons 'No ,non udrai rimproveri' wieder aufgemacht.
Nora Amsellem erneuert meine Sympathie für diese Hochdramatische Sängerin, Ihre Violetta ist einfach Kongenial. Jose Bros ein guter Gegenpart. Renato Buson zurecht bei seiner X-ten... Traviata.
Im grossen Ganzen ein gelungener Opernabend - macht auch Chor und Ensemble intensifst mit.
Wichtiges - und Besetzung
5.10.2003 , Madrid Teatro Real
Orchestre del Teatro Real Dir. Lopez Coboz
Reg. Pierluigi Pizzi * Bühne Pierluigi Pizzi * Kostüme Pierluigi Pizzi
Violetta : Norah Amsellem
Alfredo : José Bros
Giorgio Germont : Renato Bruson
Flora Bervoix : Itxaro Mentxaka
Annina : María Espada
Gastone : Ángel Rodríguez
Douphol : Juan Tomás Martínez
D'Obigny : Marco Moncloa
DVD MIT Zuschalbaren Untertitel, sehr guter Ton
Wenn sie Pizzis Evolution in seiner Regie verfolgen möchten - empfehle ich auch seine Frühere Arbeit in London mit Gruberova und Shicof die auch Musikalisch hervorragend ist.
Verdi, Giuseppe - La Traviata