Das Requiem ist zur Aufführung selbst in einer großen Kirche nicht geeignet, weil die Handschrift des Opernkomponisten Giuseppe Verdi unverkennbar ist: Die theatralische Anlage des Werkes ist zweifellos mehr Oper als Kirchenmusik. Damit soll die Komposition selbst nicht kritisiert werden, denn sie gehört zu den großartigsten musikalischen Schöpfungen überhaupt, und man muss Giuseppe Verdi dafür dankbar sein, dass er den
Menschen dieses Kunstwerk hinterlassen hat. Die Solisten selbst haben sich mit ihren einzigartigen Leistungen selbst ein legendäres Denkmal gesetzt. Der bartlose und schlanke Luciano Pavarotti vermittelt nicht nur vom Habitus, sondern auch von der sängerischen Leistung her ein ganz anderes als das Bild, mit dem er später der Weltöffentlichkeit bekannt wurde. Er singt nämlich bei dieser Aufnahme mit einer gewissen Zurückhaltung, und zwar technisch perfekt und stilistisch brillant, ohne das spätere Plärren überhaupt nur anzudeuten. Auch die weiteren Glanzlichter Fiorenza Cossotto, Nicolai Ghiaurov und vor allem Leontyne Price sind nicht minder zu loben; im Gegenteil kann man sagen, dass Leontiyne Price aus dem Quartatt etwas herausragt, hat sie doch auch von den Partien her eine gewisse Hauptaufgabe zu tragen. Chor und Orchester sind ebenso hervorragend, wie das Dirigat durch Herbert von Karajan. Bei letzterem ist sogar das sonst eher theatralisch wirkende Schließen der Augen dem Ernst des Werkes angemessen. Interpretatorisch habe ich ebenfalls nichts auszusetzen, weil ein gewisse Freiheit in der Interpretation zugestanden werden muss und reine Nörgelei unangemessen wäre. Den Preis halte ich für dieses Spitzenprodukt für durchaus angemessen, schon um den Eindruck eines Verhökerns zu vermeiden.