An dieser Operninszenierung hätte Shakespeare sicherlich auch seine Freude gehabt. Diese Inszenierung spielt wirklich im 11. Jahrhundert und es ist wirklich angenehm, dass die Sänger Kostüme tragen, welche in diese Zeit gehören und nicht - wie leider heute oft üblich - in Sakko und Krawatte auftreten müssen.
In dieser Aufführung sind die Hexen wirklich Hexen - und nicht nur die Kostüme, welche die Sängerinnen von Kopf bis Fuss verhüllen erzeugen eine unheimliche Stimmung, sondern hier ist es gelungen, diese durch die Art, wie sie singen, noch zu verstärken. Wie unscheinbare graue Steine kauern sie auf der Bühne, um dann plötzlich einen unheimlichen Tanz um den Kessel bzw. um den Teufel aufzuführen.
Sehr gelungen.
Musikalisch ist diese Aufnahme für mich die Beste nach der Züricher Inszenierung. Die Rollen sind mit Sängern besetzt, welche durchweg schöne Stimmen besitzen. Und optisch sind sie in den schönen Kostümen eine Augenweide.
Allen voran Kosta Paskalis. Ein Macbeth, welcher sich durch Temperament und Emotionalität in Gesang und Darstellung auszeichnet. Josephine Barstow als Lady Macbeth steht ihm in nichts nach. Ich habe noch keine Sängerin erlebt, welche diese kalte, ehrgeizige Frau so überzeugend darstellt, wie Frau Barstow. Ihre Mimik zeigt eine Verschlagenheit, die absolut glaubwürdig ist. In der Nachtwandlerszene ist davon nichts mehr zu spüren - hier drückt sie den Wahnsinn mit allen Mitteln glaubhaft aus.
Keith Ewen stellt einen hervorragenden Macduff auf die Bühne, welcher nicht nur gut singt, sondern auch noch sehr gut aussieht. Und welcher ein junger Mann ist, dem man die kleinen Kinder ohne weiteres abnimmt.
Den Banco singt der junge James Morris, dessen Stimme hier noch viel tiefer klingt. Später, als er begonnen hat, Wagner zu singen, hat sie sich verändert, als Wotan klingt sie bereits völlig anders, und John Tomlinson singt Macbeths Mörder und eine der Erscheinungen.
Es ist eine Aufführung, bei der ich zeitweise den Atem angehalten habe. Nur leider hat der Regisseur sich zwei dramatische Szenen entgehen lassen: Als der ermordete König gefunden wird, stehen alle nur wie festgenagelt auf der Bühne und der Ermordete wird nicht auf die Bühne getragen und Bancos Ermordung findet leider bei einer völlig leeren Bühne hinter den Kulissen statt. Schade, in beiden Szenen steckt sehr viel Dramatik und Emotionalität.
Zu der DVD selbst sei gesagt: Es befinden sich alle 4 Akte auf der DVD. Es fehlt lediglich die sogenannte Traumszene, aber die kann man verschmerzen.
Auf dieser DVD gibt es auch die besten deutschen Untertitel - es sind alles schlüssige Texte.
Die Bildqualität ist nicht ganz heutiger Standard aber der Ton ist perfekt, klar und deutlich.
Alles in allem eine wunderbare Aufnahme, welche ich mit Sicherheit ebenso oft wie die DVD von Zürich mit Thomas Hampson in der Titelrolle ansehen werde.