Um mit der Länge anzufangen: es wird langatmig. Der Fontainebleau-Akt zieht sich und man muss sich mühen, dabei zu bleiben. Auch wenn einleuchtend ist, dass das Elend die Prinzessin bewegt, nicht ihre Liebe, sondern der Pflicht zu folgen.
Schon in diesem Akt störte mich, dass die soziale Kluft ignoriert. Eine Prinzessin tanzt nicht mit dem Volk.
Diese Ebenen bringt Neuenfels mehrfach durcheinander,sicher sein Konzept,für mich aber nicht überzeugend.Abwegig, Ebolis Traum,über zwanzig Minuten. Es ist sicher nicht der Traum der Eboli,ein kleinbürgerliches Leben zu führen,bei dem Posa's Pizzadienst das Abendessen rettet. Die Kälte des spanischen Hofes wird durch solche Bilder seiner Wirkung beraubt.
Dass Neuenfels ein Publikum verstört, mag für den konkreten Opernabend einen Sinn ergeben, als Konserve taugt es nicht.
Der Sinn, das starre Korsett einer brutalen Gesellschaft, in der Menschen zerbrechen( auch der König) kommt bei dieser Inscenierung nicht herüber.Was für ein dummer Einfall, in den dramatischen Kampf zwischen König und Grossinquisitor eine Quasi-slaptstick-scene einzubauen, der Inquisitor steht auf dem Kleid der Eboli; er ist blind und sie zerrt daran. Damit wird die Dramatik ad absurdum geführt. Am ehesten könnte man das Bühnenbild in diese Richtung einer abgeschlossen-brutalen Gesellschaft deuten.
Musikalisch kann diese Aufführung ebenfalls nicht überzeugen. Das Dirigat von de Billy hat nicht die Qualitäten eines Solti oder auch Karajan.Dramatische Scenen wie das Autodafé gelingen nur sehr begrenzt.
Die SängerInnen können ebenfalls nicht überzeugen. Vargas ist kein Domingo oder Bergonzi,Miles sicher ein guter Sänger, aber das reicht nicht unbedngt für einen Philipp II, da fehlt einfach Substanz und,ich räume mein Vorurteil ein, ein Simon Yang als Grossinqusitor irritiert mich schon optisch,wäre die Stimme überzeugend, könnte man vielleicht darüber hinwegsehen, an Talvela darf man gar nicht denken.
Auch die anderen Protagonisten konnten ihre Rollen nicht so ausfüllen, dass man denken konnte, ja, so muss es klingen. Bei Skovhus möchte ich zusätzlich monieren, dass die Haltung vollkommen unglaubwürdig war ( dies war vielleicht ein Einfall der Regie, aber kein guter). Posa ist ein Grande, kein Hampelmann. Dann sollte man es auch so spielen.
Die Oper von Verdi hat eine andere Umsetzung verdient. Diese Aufführung gelingt weder optisch noch musikalisch.
Ich rate ab.